Ständiges Bemühen mit wechselnden Herausforderungen

Datum 06.07.2018 | Rubrik: News
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Die Sicherung einer gleichbleibenden einwandfreien Produktqualität bleibt für die Unternehmen eine ständige Aufgabe, die durch neue Herausforderungen immer wieder auf die Probe gestellt wird. So lautet das Fazit des zehnten Fresenius-Praktikertreffens für Qualitäts-Verantwortliche der Lebensmittelindustrie. Vom 26. bis 27. Juni beschäftigten sich Referenten und Besucher in Köln mit vielen aktuellen Herausforderungen. Die Themenpalette reichte von „A“, wie „Allergenmanagement“ bis „Z“, wie „Zulassungsfragen“.

 

„Die Sicherstellung der Qualität hört niemals auf!“. So lautete das Schlusswort des Vortrags des Lebensmitteltechnologen Norbert Kolb, Manager Qualitätssicherung bei Worlée Naturprodukte (Hamburg). Er erläuterte den Teilnehmern, wie sein Unternehmen mit gezielten Risikobewertungen und Wirksamkeitskontrollen die Qualität aller Produkte entlang der gesamten Supply Chain sicherstellt. Das war einer der vielen Praxisberichte, die die Tagung prägten. So schilderte Marco Tesche die Überwachungsprozesse in den McDonald´s-Restaurants. Jürgen Schlösser beschrieb die Praxis der Probennahme gemäß DIN EN ISO-Normen bei Dr. August Oetker Nahrungsmittel. Hajo Rabe gab einen Einblick in das Allergenmanagement des Geschmackstoffherstellers Symrise (Holzminden). Britta Gallus stellte das Konzept „ProTrace“ vor, mit dem der Metro-Konzern seinen Kunden Transparenz über die Produkte, ihren Ursprung und die Verarbeitung geben möchte. Mit ihrem Handy können die Kunden einen Barcode auf dem Produkt scannen und erhalten sofort Informationen über die Herkunft. Im Fischbereich sind bei Metro mehr als 90 Prozent der Produkte mit dem ProTrace-Label gekennzeichnet.

 

Überwachung und Analytik in den Behörden 

Nicht nur Praktiker aus den Unternehmen gaben Einblicke in ihre Ansätze und Lösungen zur Qualitätssicherung. Auch Vertreter der Behörden berichteten über ihre Prozesse und Möglichkeiten der Qualitätsprüfung. Bettina Gerulat vom Veterinär- und Einfuhramt Hamburg beschrieb den Alltag der Grenzkontrollen im Hamburger Hafen. Stephan Walch vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe schilderte, wie sich die EU-Kontrollverordnung auf die Überwachung und Analytik seines Amtes auswirkt. Claudia Thielen berichtete von den ersten Betriebsprüfungen, die die neue bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen in diesem Jahr durchgeführt hat. Seit Anfang des Jahres übernimmt die neue Behörde die Kontrolle von knapp 600 überregional tätigen Betrieben in Bayern.

 

Sanfte Gesetze mit faktischer Wirkung: Warnwerte der DGHM und Leitsätze des Lebensmittelbuchs 

Der Lebensmittelrechtler Martin Holle, Professor an der der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, ist Mitglied der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission. In seinem Vortrag diskutierte er die rechtliche Bedeutung und praktische Relevanz der Warnwerte der DGHM (Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie) und der Leitsätze des deutschen Lebensmittelbuchs. Diese Leitsätze haben keine rechtliche Verbindlichkeit. Dennoch können auch sie als „soft laws“ hohe „faktische Wirkung“ entfalten. In diesem Sinne seien sie also weder „law“ noch „soft“, so Holle: Richtwerte könnten als ein Indikator für die Verletzung von Sorgfaltspflichten im Bereich der Lebensmittelhygiene dienen. Vor Gericht sei die Bedeutung von DGHM-Warnwerten und den Leitsätzen des Lebensmittelbuchs allerdings unterschiedlich. Während die Rechtsprechung den Leitsätzen einen hohen Beweiswert zuspreche, spielten die DGHM-Warnwerte in juristischen Verfahren dagegen keine Rolle.

 

BLL-Toolbox als Beurteilungs- und Argumentationshilfe in der Diskussion um Mineralölspuren 

Sieglinde Stähle vom BLL Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde stellte die „BLL-Toolbox zur Vermeidung von Einträgen unerwünschter Mineralölkohlenwasserstoffe in Lebensmittel“ vor. Hintergrund: Durch Lebensmittelverpackungen aus Altpapier, das zum Beispiel Druckerschwärze enthält, können Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH = Mineral Oil Saturated Hydrocarbons und MOAH: Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons) in Lebensmittel gelangen. Die BLL-Toolbox fasst den aktuellen Sachstand zum potenziellen Vorkommen von MOSH/MOAH und MOSH-analogen Substanzen, zu deren komplexen Eintragswegen in Lebensmittel sowie zur Analysen- und Beurteilungssituation zusammen. Tabellarisch listet sie die verschiedenen Eintragspfade entlang der Lebensmittel-Prozessketten durch Migration, Kontamination und den Einsatz von Lebensmittelzusatz- und Prozesshilfsstoffen auf. Die Toolbox wolle eine „ehrliche Kommunikations- und Argumentationshilfe“ sein, so Stähle. Sie führe aber zu keiner Selbstverpflichtung für die Hersteller. Orientierung und klare Anhaltspunkte für die Analyse würden deshalb so sehr gebraucht, weil die allgemeine Bewertungslage unübersichtlich sei. Die oft diskutierte „Mineralölverordnung“ lässt vorerst noch auf sich warten. Die Bewertungsgrundlagen der Warentester und Verbraucherschutzgruppen ändern sich nach Ansicht Stähles willkürlich. „Es fehlen abgestimmte und empfohlene, sachlich abgeleitete und begründete Beurteilungsgrundlagen für Produkte“, fasst sie die Lage aus Sicht der Industrie zusammen. Abschließend stellte sie ein aktuell begonnenes Projekt von Wirtschaft und Überwachung zur Ableitung von Orientierungswerten für MOSH vor.

 

Was tun, wenn die Task Force zur Betriebskontrolle vor der Tür steht? Ruhe bewahren und gut kommunizieren 

Michael Lendle, Berater bei AFC Risk & Crisis Consult, gab den Teilnehmern Tipps für das richtige Verhalten bei plötzlichen Betriebskontrollen. Er empfiehlt den Unternehmen, frühzeitig auf die Behörden zuzugehen und das eigene Risikomanagement umfassend zu erklären: „Legen Sie Ihre Einzelmaßnahmen offen und erklären Sie die Wirkungsweise“. Umfassende Kommunikation sei ebenso entscheidend wie die Annahme von Kritik. Lendle rät, die Empfehlungen der Behörden ernst zu nehmen und einen Maßnahmenplan abzuleiten. Dann gelte es, der zuständigen Behörde die Korrekturmaßnahmen detailliert zu erläutern.

 

Die Tagungsunterlagen mit den Skripten aller Vorträge der Fresenius-Konferenz können zum Preis von 295,- EUR zzgl. MwSt. bei der Akademie Fresenius bezogen werden.

 



Quelle: Akademie Fresenius
Autor: Sossna
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