Dreiste Luftnummern

Datum 17.01.2018 | Rubrik: Märkte & Trends | Ort: Düsseldorf
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Veggie-Nepp

Fans von Veggie-Schnitzeln, Weizen-Frikadellen, vegetarischen Grill-Filets oder Pulled Pork aus Bio-Soja kaufen bei verpackten Fleischersatzprodukten zum Anbraten und Aufwärmen viel heiße Luft gleich mit: Zwischen 30 und 70 % an unbefülltem Raum – und zwar bezogen auf das Volumen der Verpackung – stellte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW) bei der Überprüfung von 28 vegetarischen und veganen Fleischersatzprodukten fest.

 

Im Durchschnitt waren die ausgewählten Produkte zur Hälfte mit Luft befüllt. Spärlich bepackte Spitzenreiter waren eine Plastikschale mit veganen Filets aus Pilzprotein und eine Packung mit vegetarischen Frikadellen, die jeweils zu 70 % Leerraum aufwiesen. „Die Lebensmittelproduzenten scheuen sich nicht, Verbraucher, die sich bewusst fleischlos ernähren, auch bei alternativen Produkten über die wahre Füllmenge zu täuschen, um mit dem Absatz ihrer Artikel Kasse zu machen“, kritisiert Wolfgang Schuldzinski, Vorsitzender der Verbraucherzentrale NRW. Verbraucher bezahlen bei den monierten Packungen zwischen 64 Ct und 2,05 € pro Produkt für reine Luft, „das ist eine Mehrbelastung für den Geldbeutel der Verbraucher und für die Umwelt durch unnötigen Verpackungsmüll.“

 

Zwischen 64 Ct und 2,05 € für reine Luft

Rostbratwürstchen (siehe Foto), Frikadellen, Steaks, Geschnetzeltes, Schnitzel und Hackfleisch, komponiert aus Soja, Weizen, Gemüse oder Hülsenfrüchten, sehen wie Fleischprodukte aus und werden häufig auch wie solche bezeichnet. Mit ihrem fleischlosen Inhalt in trendiger Aufmachung sind sie jedoch für vegetarische, vegane oder ab und an fleischreduzierte Esser gemacht.

 

Wie die auf bewusste Ernährung bedachte Konsumentengruppe von den Lebensmittelherstellern hinters Licht geführt wird, hat die Verbraucherzentrale bei Stichproben in Bio-Läden, Supermärkten und Discountern festgestellt. Gezielt auf der Suche nach 30 % und mehr an unbefülltem Raum, wurden die Verbraucherschützer bei 28 vegetarisch-veganen Produkten fündig.

 

Mehr Hülle als Fülle

18 Produkte warben für den essbaren Inhalt mit einem häufig unten an der Verpackung angebrachten Sichtfenster, das eine satte Befüllung vortäuschte. Die Hälfte der Verpackungen verdeckte die innere Leere mit geschickt angebrachten Pappbanderolen. Achtmal verbargen schwarze oder farbige Plastikbehälter zur Aufbewahrung von Geschnetzeltem- oder Hackfleisch-Ersatz den wahren Inhalt. Neun Umverpackungen und Kartons entpuppten sich erst nach dem Öffnen als Luftnummern.

 

Verbraucher dürfen nach den geltenden Vorschriften nicht mit raffinierten Aufmachungen – etwa durch hineingepumpte Luft, geschickt platzierte Sichtfenster, hohe Wände und Schrägen oder durch überdimensionierte Umkartons – über die tatsächliche Füllmenge getäuscht und dadurch zum Kauf animiert werden. Allerdings fehlt bislang eine eindeutige gesetzliche Vorgabe, wieviel Inhalt in einer Lebensmittelpackung tatsächlich vorhanden sein muss. Für die Arbeitsgemeinschaft Mess- und Eichwesen (AGME) liegt eine Täuschung nach Prüfung des Einzelfalls unter anderem vor, wenn der Freiraum in der Packung 30 % oder mehr beträgt.

 

„Um Verbraucher vor Mogelpackungen zu schützen, müssen Inhalt und Verpackung von Lebensmittelprodukten so aufeinander abgestimmt sein, dass Kunden nicht über die Größe des Inhalts getäuscht werden können“, erklärt Wolfgang Schuldzinski. Er fordert vom Gesetzgeber, dafür zu sorgen, „dass jede Verpackung möglichst bis zum Rand bzw. bis zur Naht befüllt ist. Ausnahmen sollte es nur geben, wenn es nachweislich produktionstechnisch nicht anders geht.“

 

Beispiele für Mogelpackungen bei Fleischersatzprodukten online unter www.verbraucherzentrale.nrw/veggie-verpackungen

 

 

Foto: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen



Quelle: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
Autor: chb/FleischNet.de
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