Nora Seitz im Interview

Datum 25.10.2017 | Rubrik: Handwerk | Ort: Frankfurt am Main
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Im Interview erläutert Nora Seitz, Vizepräsidentin beim Deutschen Fleischer-Verband, wie es zur Bildung der Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks kam und spricht über deren Ziele, Einsatzzwecke und Nutzen für das Handwerk.

 

Frau Seitz, die Gründung einer Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks war eine Ihrer ersten Maßnahmen als Vizepräsidentin. Warum war Ihnen das wichtig?

Wir wollten, aus vielen verschiedenen Gründen, gerne eine Gruppe ausgezeichneter junger Nachwuchskräfte haben, die unser Handwerk repräsentieren. Wir standen etwa beim Internationalen Leistungswettbewerb vor dem Problem, dass die ersten zwei Bundessieger, die dorthin entsendet werden im Vergleich zu Teilnehmern aus anderen Nationen sehr wenig Zeit zur Vorbereitung hatten. Das lag an dem starren Reglement, das es woanders so nicht gibt. Dort werden Teilnehmer in manchen Fällen über ein Jahr lang auf den ILW vorbereitet, was sich natürlich in den Leistungen und Teilnehmerergebnissen widerspiegelt.

 

Seit Jahren erzielt der deutsche Fleischernachwuchs auf internationalem Niveau mittelmäßige Ergebnisse, den Ton beim ILW geben andere Nationen an. Das wollten Sie ändern?

Nicht nur das. Mich hat immer gestört, dass für die Verkäuferinnen und Verkäufer nach dem Bundeswettbewerb Schluss ist, da ein entsprechender Wettbewerb auf europäischer Ebene fehlt. Dabei haben wir hier oft herausragende Talente und engagierte Nachwuchskräfte, die eine weitere Förderung verdienen. Dies können wir mit der Nationalmannschaft nun verwirklichen. Ein weiterer Punkt war, dass in den Landes- und Bundesentscheiden immer mehr Teilnehmer auftauchten, die im Groß- und Einzelhandel ausgebildet worden sind. Wir waren daher oft in der zwiespältigen Situation, dass wir die individuellen Leistungen begabter Nachwuchskräfte zwar gerne würdigen, andererseits den Unternehmen, für die sie arbeiten und die zu unseren schärfsten Wettbewerbern gehören, keine kostenlose Werbeplattform bieten wollten.

 

Auf dem Fleischer-Verbandstag in Potsdam wurden die ersten vier Mitglieder der Nationalmannschaft vorgestellt. Wer sind diese jungen Leute?

Unser großartiges Kernteam der Nationalmannschaft: Leonie Baumeister ist Fleischergesellin aus Waibstadt, sie hat mit sehr gutem Ergebnis am Bundeswettbewerb und am Int. Leistungswettbewerb teilgenommen. Hannah Gehring kommt aus Rot am See, ebenfalls in Baden-Württemberg. Sie war als Fachverkäuferin ganz vorne beim BLW dabei und hat danach ihre Meisterprüfung abgelegt. Markus Kretschmann ist Fleischermeister aus Meißen in Sachsen, er hat ebenso am Bundes- und am Int. Leistungswettbewerb teilgenommen. Stefan Weishaupt steckt mitten in den Vorbereitungen zu seiner Meisterprüfung, er stand ebenso beim BLW auf dem Treppchen und hat danach Auslandserfahrung gesammelt. Er stammt aus Aitrach in Bayern.

 


Wie wird man Mannschaftsmitglied?

Die erste Hürde für die Teilnahme an der Nationalmannschaft sind die Landesleistungswettbewerbe. Die Landesinnungsverbände bzw. deren Landeslehrlingswarte, wählen aus dem Teilnehmerkreis ihrer Wettbewerbe geeignete Kandidaten aus und schlagen sie für die Mannschaft vor. Einmal im Jahr wird dann ein Bundesentscheid stattfinden, auf dem die Jury – bestehend aus den Landeslehrlingswarten – die Besten auswählt. Es ist geplant, den ersten Bundesentscheid im Januar 2018 zu veranstalten. Er wird fachlich im Prinzip wie ein verkürzter Bundesleistungswettbewerb ablaufen. Zusätzlich interessieren wir uns aber auch noch für die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten der Teilnehmer, die ja auch in der Öffentlichkeit Botschafter unseres Handwerks werden sollen.

 

Welche Aufgaben haben die Mannschaftsmitglieder?

Die Mannschaftsmitglieder sollen unsere Botschafter des Fleischerhandwerks werden. Sie sollen uns nicht nur auf dem Int. Leistungswettbewerb sondern auch auf anderen Veranstaltungen des Handwerks oder Wettbewerben vertreten. Dazu werden wir die besonderen Fähigkeiten und Schwerpunkte der einzelnen Teammitglieder gezielt fördern. Unsere Vorstellung ist, dass wir am Ende im Nationalteam eine gute Mischung aus Generalisten und Spezialisten haben, die sich untereinander austauschen und ihr Wissen auch an den Teamnachwuchs weitergeben. Ein weiteres Feld, auf dem wir die Nationalmannschaft einsetzen wollen, ist bei der Werbung für unseren Beruf und für die Öffentlichkeitsarbeit. Hanna und Leonie haben etwa bald ihren ersten Auftritt auf dem Fleischkongress, auf dem sie über die Ausbildung und die Nachwuchssituation im Handwerk reden werden.

 

Wer trainiert die neue Nationalmannschaft?

Unsere „Cheftrainer“ sind Carmen und Max Gruber aus Großweingarten. Sie sind hochgradig erfahren und seit Jahren sowohl in den Bundeswettbewerb als auch bei der Vorbereitung der Teilnehmer für den internationalen Wettbewerb intensiv eingebunden. Sie bilden den Kern eines Trainerteams, zu dem natürlich auch die Landeslehrlingswarte gehören. Trainiert wird dezentral, mit Sicherheit bei Max und Carmen im Betrieb aber auch in geeigneten Einrichtungen wie Fleischer- und Berufsschulen. Mindestens einmal im Jahr wollen wir ein großes Trainingslager veranstalten, an dem das ganze Team teilnimmt. Dazu wird es mehrere kleinere Trainingseinheiten für Teile der Mannschaft geben. Wir wollen Rücksicht darauf nehmen, dass unsere Teammitglieder alle am Anfang ihres Berufslebens sowie mitten im Tagesgeschäft stehen.

 

Foto: Deutscher Fleischer-Verband



Quelle: Deutscher Fleischer-Verband
Autor: mth/Fleischer-Handwerk
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