Interesse an Health Claims

Datum 22.05.2014 | Rubrik: Ernährungswissen | Ort: Dortmund / Frankfurt
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Akademie Fresenius

Die Forschung zeigt, dass fast alle Konsumenten schauen auf den Preis und das Haltbarkeitsdatum eines Produkts, bevor sie dieses kaufen. Deutlich weniger informieren sich dagegen über den ernährungstechnischen und gesundheitlichen Nutzen der Lebensmittel.

Doch das Interesse an Health und Nutrition Claims steigt. Mehr zu diesem und anderen Themen im Fachbereich erfuhren die Teilnehmer der sechsten internationalen Fresenius-Konferenz "Health und Nutrition Claims" vom 13. bis 14. Mai 2014 in Frankfurt. In einer europaweiten Konsumentenstudie des European Food Information Council (kurz: EUFIC) von 2011 behaupteten nur 25 Prozent der Befragten, "immer" oder "oft" nach Health oder Nutrition Claims auf Produktverpackungen zu suchen.

Zum Vergleich:

Die Kriterien Preis und Haltbarkeitsdatum erreichten jeweils knapp 90 Prozent. Ein Jahr später hatte sich daran nicht viel verändert, jedoch zeigte sich eine deutliche Zunahme im Interesse an Health und Nutrition Claims: Jeder dritte Befragte (33 Prozent) gab 2012 in einer weiteren Studie von EUFIC an, "immer" oder "oft" nach einem gesundheitlichen Nutzen eines Produkts Ausschau zu halten. Nährwertbezogene Vorteile interessierten 45 Prozent. EUFIC veröffentlichte darüber hinaus einen Überblick über die Forschungsliteratur zum Thema im Journal "Proceedings of the Nutrition Society in 2012. Dr. Sophie Hieke fasste die Ergebnisse in Frankfurt wie folgt zusammen: Health Claims könnten immer dann effektive Instrumente bei der Lebensmittelwahl sein, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllten, so die Expertin. Der Claim auf einem Produkt müsse als relevant und glaubwürdig wahrgenommen werden, der Konsument sollte mit den aufgeführten Zutaten und/oder Produktvorteilen vertraut sei und eine (positive) Vorerfahrung mit dem entsprechenden Produkt gemacht haben sowie eine positive Einstellung zu funktionalen Lebensmitteln im Allgemeinen mitbringen, erläuterte die Expertin. Allerdings bedürfe es mehr Forschung in diesem Bereich, da Ergebnisse in der Literatur oft fragmentiert und schwierig zu generalisieren seien.

 

Dr. Hieke präsentierte ebenfalls zwei EU-finanzierte Forschungsprojekte:

CLYMBOL, das Gelder aus dem Siebten Rahmenprogramm der EU für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration erhält, konzentriert sich auf die Rolle von Health Claims und Symbolen auf das Konsumentenverhalten. Bis 2016 werden Forscher im Rahmen des Projekts untersuchen, wie Claims und Symbole in ihrem Kontext von Konsumenten verstanden werden und welche Effekte auf den Kauf und Verzehr von Lebensmitteln zu beobachten sind. Weitere Informationen sind unter www.clymbol.eu zu finden. Dr. Hieke sprach darüber hinaus über "NU-AGE" - ein EU-finanziertes Projekt zur Entwicklung neuer Ernährungsstrategien für die spezifischen Bedürfnisse älterer Menschen. Das von der Universität Bologna koordinierte Projekt beinhaltet eine Analyse der Einstellungen und Auffassungen älterer Konsumenten gegenüber ernährungs- und gesundheitsbezogenen Vorzügen und untersucht, in wieweit sie die existierenden Claims verstehen. Basierend auf diesen Ergebnissen sollen geeignete Kommunikationsstrategien zur Information und Anleitung älterer Konsumenten entwickelt werden.

 

Traditionelle Verwendung von Pflanzen als Beweis für Effektivität

 

Ein schwieriges Feld für die Verwendung von Health Claims stellt nach wie vor der Bereich pflanzlicher Inhaltsstoffe dar. Innerhalb der EU wurde bislang keine Harmonisierung erreicht. Schwierig ist dies vor allen Dingen für die Staaten, in denen schon viele Nahrungsergänzungsmittel mit entsprechenden Zutaten auf dem Markt sind. Belgien, Frankreich und Italien haben nun einen eigenen Ansatz entwickelt, um dem Problem beizukommen: Mit dem BELFRIT-Projekt gründete man eine gemeinsame Initiative mit dem Ziel, eine einheitliche Positivliste für Pflanzen ("botanicals") zu entwickeln, die bereits für die Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen sind. Auf der Konferenz stellte Stefanie Dalfrà (Italienisches Gesundheitsministerium) den aktuellen Stand der Dinge vor. Nach zwei Jahren Bearbeitungszeit wurde die so genannte BELFRIT-Liste in 2013 fertiggestellt und im März dieses Jahres in Italien angenommen. Sie ergänzt nun die bereits existierende italienische Gesetzgebung zum Thema.

Auf der BELFRIT-Liste sind Pflanzen zu finden, die aufgrund wissenschaftlicher Beweise und ihrer traditionellen Verwendung als sicher angesehen werden können und denen "physiologische Effekte" zugesprochen werden. Dalfrà wies darauf hin, dass die Liste der Ausgangspunkt für eine europaweite Harmonisierung pflanzlicher Inhaltsstoffe sein könne. Im Hinblick auf deren Wirksamkeit sprach sich die Expertin dafür aus, die traditionelle Verwendung einer Pflanze allgemein als Nachweis für entsprechende Health Claims zu akzeptieren. Schließlich sei diese auf Europaebene auch schon im Rahmen der Novel Food-Verordnung (EG Nr. 258/97) als Argument für die Sicherheit pflanzlicher Inhaltstoffe und damit deren Unbedenklichkeit bei der Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln akzeptiert, so Dalfrà.

 

Verwendung von Probiotika künftig verstärkt zu spezifischen medizinischen Zwecken

Unter Mikrobiomen versteht man eine Ansammlung von Mikroorganismen, die eine spezielle ökologische Nische besetzen. Beim Menschen findet man diese vor allen Dingen auf der Haut, im Mund und im Magen-Darm-Trakt. Besonders die Mikrobiome in letzterem sind von großer Relevanz, da sie die menschliche Physiologie und Ernährung stark beeinflussen. Einschlägige Studien hätten bereits Zusammenhänge zwischen der Anzahl bestimmter Mikrobiome im Magen-Darm-Trakt und Krankheitsbildern wie Fettleibigkeit oder Diabetes gezeigt, berichtete Daniel Ramón Vidal (BIOPOLIS, Spanien) in Frankfurt. Es sei möglich, die betroffenen metabolischen Wege klar zu definieren. Alle erhobenen Daten würden darauf hinweisen, dass eine Intervention über die Ernährung eine Strategie sein könne, Fettleibigkeit und ähnliche metabolische Krankheiten in den Griff zu bekommen, führte der Experte weiter aus. In Bezug auf Diabetes hätten mehrere Forscher bereits positive Effekte demonstriert, die aus der Einnahme einzelner Probiotika entstehen. Neben Krankheiten des Magen-Darm-Trakts könnten diese auch zur Behandlung anderer Krankheitsbilder eingesetzt werden. Studiendaten legten eine Verbindung zwischen den Mikrobiomen des Darms und dem zentralen Nervensystem nahe, erklärte Ramón Vidal. Erste Hinweise darauf, dass die Einnahme von Probiotika Angst- und Depressionssymptome lindern könne, seien vorhanden. Voraussichtlich würden Probiotika auch in Zukunft als Inhaltsstoffe oder Nahrungsergänzungsmittel mit "weichen" Health Claims verkauft, so Ramón Vidal, jedoch werde ihre Verwendung aufgrund der vorliegenden Ergebnisse für spezifische medizinische Zwecke zunehmen. In diesem Zusammenhang werde auch die Mikrobiom-Analyse als Diagnostik-Tool an Bedeutung gewinnen, so der Experte. Er wies darauf hin, dass bislang noch kein einziger Health Claim für Probiotika vom EFSA-Panel für Ernährung, diätische Produkte und Allergien (NDA, Nutrition, Dietetic Products and Allergies) autorisiert worden seien. Ramón Vidal riet dazu, Claims für probiotische Produkte, die einen medizinischen Nutzen ausweisen, auf experimentelle Tierversuche, klinische Studien am Menschen sowie Untersuchungen zu stützen, welche die molekulare Basis der Produktfunktionalität in den Mittelpunkt stellen.

 

Die Tagungsunterlagen mit den Skripten aller Vorträge der Fresenius-Konferenz können zum Preis von 295,- EUR zzgl. MwSt. bei der Akademie Fresenius bezogen werden.

www.akademie-fresenius.de



Quelle: Akademie Fresenius
Autor: ast / Redaktion fleischnet
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