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geniessen_und_reisen_02_2016

freier Radikale und scheinen Krebs- sowie Herz- Kreislauf- und Gefäßerkrankungen vorzubeugen. Trockene Teeblätter enthalten ähnlich viel Koffein wie Kaffee, allerdings regulieren und verlangsa-men die Polyphenole im Tee seine Freisetzung, sodass das Gefühl der Wachheit länger anhält. Der Koffeingehalt im Getränk hängt von Art, Jahres-zeit der Ernte, Wassertemperatur und Ziehzeit ab. Trotz des Koffeins wirkt Tee nicht dehydrierend, da er zum größten Teil aus Wasser besteht. Dank antimikrobieller Eigenschaften beugt er auch Karies und durch Bakterien verursachten Mund-geruch vor, während das Fluorid die Zähne härtet. Beliebtes Ritual Die Ursprünge des Nachmittagstees, wie man ihn z. B. im Grand Hotel oder im St. Andrew´s in Nuwara Eliya genießen kann, liegen in den 1840er-Jahren, als die Häuser der britischen Oberschicht mit Gaslicht ausgestattet wurden und die Bewohner dadurch später zu Abend es-sen konnten. Zu dieser Zeit nahm man nur zwei Mahlzeiten am Tag zu sich: Frühstück und Abend-brot. Die gesellschaftlich einflussreiche Duchess of Bedford ging dazu über, gegen 16 Uhr einen Tee und einen leichten Snack zu sich zu nehmen, um die lange Zeit bis zum „supper“ (Abend- essen) zu überbrücken. Und sie kam auf die Idee, ihre Freundinnen zu dieser Zwischenmahlzeit in ihr Haus in Woburn Abbey in Bedfordshire einzu-laden. Die Gewohnheit sprach sich herum und setzte sich in den Salons im ganzen Land sowie in den britischen Kolonien durch. Der Nachmittagstee ist so tief in der britischen Kultur verwurzelt, dass jeder seine eigene Vor-stellung vom richtigen Ablauf hat. Dazu zählt auch die Art, wie man einen Scone korrekt isst: Aufschneiden oder aufbrechen? Die Reihenfolge von Clotted Cream und Konfitüre: erst die Kon-fitüre, wie man es in Cornwall macht, oder erst die Clotted Cream, wie es in Devon üblich ist? Gibt man die Milch in den Tee oder den Tee in die Sri Lanka Milch? Schließlich hat es Vorteile, zuerst die Milch in die Tasse zu geben. So nahm man früher an, dass die kalte Milch den heißen Tee kühlen und damit die empfindliche Porzellantasse schonen würde. Trotzdem ist es viel höflicher und prak- tischer, wenn der Gastgeber den Tee einschenkt und den Gast Milch und Zucker selbst nehmen lässt. Das Grand Hotel in Nuwara Eliya hat etwa das klassische Speisenangebot deutlich erweitert. Neben Scones und Sandwiches werden nicht nur Plätzchen, Pralinen, Cupcakes und Kuchen ge-reicht, sondern auch Dim Sum und frische Mee-resfrüchte, dazu natürlich Ceylon Tee. Schließlich sagt ein englisches Sprichwort: „Life begins with water, taste begins with tea – das Leben beginnt mit Wasser, Geschmack mit Tee!“ Tempel und Botanischer Garten Die Anreise ins zentrale Bergland erfolgt in der Regel über Kandy. Dort sollte man auf jeden Fall den legendären Tempel „Dalada Maligawa“ be-suchen. Sonore Trommelschläge hallen am spä-ten Nachmittag durch die milde Luft und weisen Pilgern und Touristen den Weg. Sie begleiten die Zeremonien rund um den heiligsten Tempel Sri Lankas, in dem die wichtigste Reliquie des Landes untergebracht ist: ein Backenzahn des Buddha. Wohlbehütet wird dieser Schatz: Vier mächtige Elefantenstoßzähne und zwei Steinlöwen bewa-chen den Schrein, der Anfang des 18. Jahrhun-derts errichtet wurde. Geschenke und Opfergaben gleißen unter dem Licht der Kerzen um die Wette, in den umliegenden Zellen sieht man Mönche in orangenen Gewändern. Der Zahn selbst befindet sich aber erst im zweiten Stock des umliegenden Gebäudes: Auf langen Tischen werden hier Berge von pinkfarbenen Lotusblüten aufgehäuft, und devot gehen die Gläubigen vor einer unschein-baren Mauernische in die Knie. „Halle der glück-seligen Erscheinung“ heißt das Kämmerchen. Auf goldenen Täfelungen leuchten die Darstellungen von Sonne, Mond und Pfauen. Dahinter hängt schließlich der Reliquienbehälter an goldenen Ketten – Wie bei einer russischen Puppe sind sie-ben Goldkassetten ineinander verschachtelt. Die kleinste und innerste beinhaltet schließlich den heiligen Zahn. Danach sollte man sich einen Gin & Tonic im kolonialen „Queen´s Hotel“ (1813 er-baut) gönnen. Ein weiteres Highlight ist der Bo-tanische Garten von Peradeniya, rund 6 km von Kandy entfernt. Empfehlenswert ist eine Zugfahrt von Kandy nach Nuwara Eliya. Die Fahrzeit be-trägt rund vier Stunden. Wer will, kommt hier mit den Einheimischen ins Gespräch und kann ihre natürliche Gelassenheit bewundern. „Was immer du tust, tu es mit einem Lächeln“, sagt ein Sprich-wort aus Sri Lanka. Sonja Schön Linda Gaylard: Das Teebuch, Dorling Kin-dersley Verlag, München Peter Rohrsen: Der Tee, Anbau, Sorten, Geschichte, Verlag C.H.Beck, München Annette Kerckhoff, Michael Elies: Tee zum Heilen und Genießen, KVC-Verlag Essen Rainer Krack, Joerg Dreckmann: Sri Lanka – Handbuch für individuelles Entdecken, Reise Know-How Verlag Pe-ter Rump, Bielefeld. Weitere Infos zur Reise: www.meiers-weltreisen.de 85


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