Page 84

geniessen_und_reisen_02_2016

beträgt damit die Ernte allein von dieser Teeplan-tage. Doch neben den Geheimnissen der Herstel-lung spielt bereits die Technik des Pflückens eine Rolle. Die zahllosen tamilischen Teepflückerinnen, die auf Sri Lankas steilen Hängen ihre Runden drehen, machen beim Ernten Millionen Mal den gleichen Griff nach zwei zarten, hellgrünen Blät-tern plus Teeknospe. Sorten mit besonders hohem Blütenanteil erhalten das Prädikat „Flowery“ und kommen als FOP (Flowery Orange Pekoe) in den Handel. Silbrig glänzend oder golden leuchten die feinen Blüten später nach dem Brennen zwischen den schwarzen Blattkrümeln hervor und tragen in der Tasse zum blumigen Aroma bei. Die Briten tauften das Wunder „Tips“ – nach dem Mottto „in der Spitze liegt die Würze“. Damit aus diesen saftig grünen Blättern Schwarz-tee wird, werden sie zunächst auf speziellen Tro-ckenregalen je nach Klima 16-24 Stunden an der Luft getrocknet. Danach werden sie in einem spe-ziellen Verfahren gewalzt, was die Blätter bricht und die Voraussetzung für die anschließende Fer-mentation des in den Blättern vorhandenen Tan-nin bildet. Zur Fermentation werden die Blätter in einem gut durchlüfteten, feuchten und kühlen Raum ausgestreut. Je nach Zustand der Blätter ist der Vorgang nach anderthalb bis zwei Stun-den beendet. Danach wird der Tee noch einmal in einem Ofen getrocknet, dann gesiebt, verpackt und verschickt. Der Tee aus Sri Lanka hat einen mittelkräftigen, herben, leicht malzigen, frischen und an Zitrusfrüchte erinnernden Geschmack. Eine hohe Lage und damit ein langsames Wachs-tum garantieren ein feines Aroma. Die Region um Nuwara Eliya erzeugt weiße Silver Tips und tradi-tionellen schwarzen Tee. Energie und Gesundheit Laut Statistik trinken die deutschen Bundesbür-ger jährlich rund 26 l Tee pro Kopf. Als er im 17. Jahrhundert nach Europa kam, wurde Tee als Tonikum in Apotheken verkauft. Erst im frü-hen 18. Jahrhundert fing man an, ihn auch als Genussmittel und Alltagsgetränk zu verwenden. Grundsätzlich fördert Tee die Gesundheit und das Wohlbefinden allgemein, aber es zeigt sich auch, dass viele Inhaltsstoffe ganz bestimmte Bereiche des Körpers beeinflussen, indem sie vor Stress und Krankheit schützen sowie Knochen und Im-munabwehr stärken. So wird Tee längst nicht mehr nur wegen seines Geschmacks, sondern wegen seines umfassenden Nutzens geschätzt. Polyphenole finden sich in allen Tees und sollen das Risiko degenerativer Erkrankungen senken, da sie im Gehirn Bereiche schützen, die für das Lernen und das Gedächtnis verantwortlich sind. Zudem neutralisieren sie die schädliche Wirkung tee“. Bis heute ist Lipton einer der großen Na-men im weltweiten Teegeschäft. Die wachsende Beliebtheit des Tees aus Ceylon bei britischen Kunden stimulierte Londoner Konzerne zur Über-nahme der kleinen bis mittelgroßen Plantagen. Allein Sir Lipton besaß circa 2.300 ha „unter Tee“ in Ceylon. Auch „Loolecondera“ wurde verkauft und James Taylor 1891 entlassen. Ökonomisches Rückgrat Was auf den riesigen Plantagen aber schnell fehl-te, waren ausreichend Arbeiter. Dieser Umstand führte zu einer großen Migrationswelle von Tami-len aus Südindien, die sich dauerhaft auf der Insel niederließen. Bis heute gibt es ethnische Spannungen zwi-schen den Singhalesen, welche vorwiegend den Süden Sri Lan-kas bewohnen und der tamilischen Bevölkerung im Hochland und im Nor-den. Trotzdem ist und bleibt die Teewirt-schaft das ökonomische Rückgrat Sri Lankas. Die kleine Insel, etwa so groß wie Bayern, produzierte nach Angaben des Deutschen Teeverbandes 2014 insgesamt 338.032 Tonnen und liegt damit nach China, Indien und Kenia an vierter Stelle. Sri Lankas Export lag 2014 bei 317.885 Tonnen. Vom Berghang in die Tasse Für ein Grundeinkommen von rund 1000 Rupien (7 €) pro Tag ernten die vorwiegend weiblichen Pflückerinnen täglich zwischen 16 und 22 kg Tee. Insgesamt sind auf dem 2.000 ha großen „Pedro Tea Estate“, das heute dem Staat gehört, 1250 Ar-beiter beschäftigt. 12 Tonnen Teeblätter pro Tag 84 2/2016 Fotos: Schön


geniessen_und_reisen_02_2016
To see the actual publication please follow the link above