... schlemmen und verkosten ... - Bismarcks Leibkoch: Anekdoten von Werner Thiele

geniessen_und_reisen_02_2016

Fotos: Michael Järnecke Der Leibkoch Chauffeur und Privatkoch der Bismarcks? Bis 1984 war Werner Thiele beides. Erlebnisse, Anekdoten und die fürstlichen Rezepte hat der Küchenchef a. D. in einem Buch zusammengetragen. Werner Thiele war über Jahrzehnte im Dienste der Fürstenfamilie von Bismarck als Chauffeur, später als Koch beschäftigt, obwohl er das nie richtig gelernt hat. Fürstin Ann-Mari von Bismarck (1907–1999) vertraute seinen Künsten am Herd und so wurde er in Friedrichsruh ihr Leibkoch. Nach 40 Jahren schied er aus den Diensten der Fürstenfamilie aus. Er verließ die Dachgeschosswohnung über dem heutigen Bismarck-Museum und zog auf den Haartje-Hof in Holm bei Wedel. Der Eiserne Kanzler Otto von Bismarck (1815-1898) war stolz auf seinen guten Hunger; er war vermutlich auch kein Kostverächter. Zu seinen Lieblingsgerichten gehörten die Windsorsuppe, Hummer, gefüllter Fasan, Käse-stangen aus Blätterteig, Rebhühner in Burgunder, Pommerscher Gänsebraten und „Pichelsteiner Eintopf“. Dieses reichhaltige Gericht, so erzählt man, brachte den Fürsten nach langer Krankheit wieder auf die Beine. Daher trägt der Eintopf aus Fleisch und Gemüse auch den Zweitnamen „Bismarckragout“. Das bekannteste Produkt ist noch immer der Bismarck-Hering, der schon zu Regie- rungszeiten Bismarcks nach ihm benannt wurde. In dieses Labyrinth der Kulinarik stieß viele Jahr-zehnte später der 1934 in Hamburg geborene Werner Thiele vor. Nach dem Krieg verdiente er sein Geld als Imker, Bergmann und Fahrer, bevor er 1966 als Chauffeur bei den Bismarcks in Friedrichsruh anheuerte. Als die Köchin der Familie in Pension gegangen war und kurz darauf ihr Nachfolger starb, verfügte Fürstin Ann Mari: „Der Thiele macht das so gut, der kann für uns auch noch kochen.“ Von da ab war er für viele Jahre der Leibkoch der Bismarcks. Obwohl Auto-didakt, bekochte er nicht nur die Fürstin, auch illustre Persönlichkeiten wie Königin Silvia von Schweden, Karl Lagerfeld, Prinz Alfonso von Ho-henlohe und Adnan Kashoggi genossen seine Speisen, wenn sie in Friedrichsruh, im spanischen Marbella – in den beiden Bismarck-Villen Casa Ana und Casa Maria direkt neben dem legendären Marbella-Club von Prinz Alfonso zu Hohenlohe – oder in Monte Carlo bei der Fürstin zu Gast waren. Thiele war immer dabei, zu treuen Diensten der adligen Herrschaften, die er mit opulenten Gala -Diners verwöhnte. Dabei kreierte er im Laufe der Jahrzehnte so manches Rezept, wobei er An-leihen häufig beim französischen Meister Georges Auguste Escoffier fand. Thiele kannte sie alle, ob er sie nun chauffierte oder bekochte, die Liste der Hoheiten und Prominenz aus aller Welt ist lang. Ganz diskret, spricht er bis heute nicht über deren kleine Geheimnisse und große Gesten. Für seine


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