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Wie die Zeit nach Glashütte kam Zu seinen großen Verdiensten gehört die Einführung des metrischen Systems in die Uhrmacherei. Die Uhren mit dem stolzen Namen A. Lange & Söhne sind bei Sammlern in aller Welt begehrt als Botschafter feinster Uhrma-cherkunst. Seinem Urenkel Walter Lange gelang es, die über drei Generationen gepflegte Famili-entradition zu neuen Erfolgen zu führen. Der Gründervater Im Mathematisch-Physikalischen-Salon kam er einst auf eine für ihn richtungsweisende Idee: Ferdinand Adolph Lange wollte Uhrmacher wer-den. Im Jahr 1845 gründete der damals 30-Jährige sein eigenes Unternehmen: die Uhrenmanufaktur A. Lange, Dresden. Eine neue Schaffensperiode begann, als sich der sächsische Staat um wirt-schaftlichen Aufschwung im Erzgebirge bemühte. 1844 verlegte der Wirtschaftspionier die Uhren-fertigung in die damals arme und rückständige Stadt Glashütte. Es entstand in der Folgezeit eine Vielzahl selbstständiger kleiner Zulieferbetriebe mit Hunderten von Arbeitsplätzen. Im Sommer 1851 zeigt Ferdinand A. Lange seine in Glashüt-te gefertigten Uhren erstmals auf der Welt-ausstellung in London, in der Hoffnung, dafür ein internationales Publikum zu be-geistern. Der Erfolg ist gewaltig. Er erhält eine Medaille und einen ersten Preis. Seine besonderen Verdienste um die wirtschaftli-che Entwicklung der Stadt brachten ihm zudem das Bürgermeisteramt ein, das er 1848 bis 1866 ausübte. Von 1869 bis 1875 setzte er sich als Abgeordneter des Sächsischen Landtags für die Verbesserung des Verkehrs durch Landstraße und Eisenbahn im Müglitztal ein. Die Renaissance Walter Lange, Jahrgang 1924, Urenkel des Firmengründers, hat sich nach der Wende im Alter von 66 Jahren entschlossen, die Tradition des Familienbetriebs wieder aufleben zu lassen. Dieser war 1948 enteignet und 1951 mit anderen Uhrenmanufakturen der sächsischen Kleinstadt zu den Glashütter Uhren Betrieben (GUB) vereinigt worden – der Name „A. Lange & Söhne“ wurde nicht mehr verwendet. Schon als kleiner Junge entwickelte Walter eine Affinität zu Zeitmessern. „Heute spielen Kinder mit ferngesteuerten Autos oder am Computer. Als ich ein Kind war, hatte ich einen Uhrenbaukasten“, erinnert er sich. Als Kind war er oft in der Manufaktur, das habe ihn von Anfang an stark geprägt. „Als die Berliner Mauer fiel, war ich bereits im Ruhestand. Aber diese Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen“, berichtet der Firmengründer. Am 7. Dezember 1990 gründete er die Lange Uhren GmbH – wie-der mit Sitz in Glashütte – mit zunächst 15 Mitar-beitern. So brachte auch er, ganz im Geist seines Urgroßvaters, Wohlstand und wirt-schaftlichen Erfolg durch Arbeit und Zuversicht in die kleine Gemeinde im Erz-gebirge. Heute arbeiten 700 Menschen im Unternehmen. Inzwischen gehört es zur Riche-mont- Gruppe, der auch Walter Lange seine An-teile verkauft hat. Seiner Initiative folgten weitere Firmengründer und siedelten Uhrenbetriebe im Müglitztal an. Inzwischen beschäftigt die Bran-che in Glashütte rund 1.300 Menschen. Darauf ist er besonders stolz. Das Erbe von Ferdinand A. Lange führt er bis heute fort mit dem Rezept, ganz im Sinne seiner Uhren: „Niemals stehen blei-ben!“ Ebenso engagiert er sich für das Erbe der Stadt. Für sein Engagement wurde Walter Lange mehrfach ausgezeichnet. Im Tagesgeschäft ist er schon einige Jahre nicht mehr, tritt aber noch bei wichtigen Ereignissen als Repräsentant der Marke auf. Seine Erinnerungen hat er in dem Buch „Als die Zeit nach Hause kam“ für die Nachwelt aufge-schrieben. Heute werden bei Lange pro Jahr nur wenige Tausend Armbanduhren aus Gold oder Platin hergestellt. In ihnen arbeiten ausschließlich selbst entwickelte, aufwendig von Hand deko-rierte und montierte Uhrwerke. Zu den größten Erfolgen zählen Zeitmesser wie die Lange 1 mit dem ersten Großdatum in einer Serienarmband-uhr und die Zeitwerk mit einer exakt springenden Ziffernanzeige von beispielhafter Klarheit. Beide Modelle sind zu Ikonen der Marke geworden. Die Ausstellung Bis Mitte Juni sind im Dresdner Zwinger 80 Exponate zu sehen, die die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der sächsischen Präzisionsuhr-macherei illustrieren. Zwei Drittel sind Leihgaben – von Privatpersonen und Museen in London, Zürich, München und Bremen. Mit dabei sind natürlich auch Uhren aus Langes Produktion, z. B. auch ein Urmeter, wie er es für das metrische System genutzt hat. Zudem sind Exponate der Uhrmacher Johann Friedrich Gutkaes und Johann Heinrich Seyffert zu sehen. dmp www.alange-soehne.com, www.skd.museum „Einfach – Vollkommen. Sachsens Weg in die Internationale Uhrenwelt“ heißt die Dresdner Sonderausstellung zum 200. Geburtstag Ferdinand A. Langes. Dank ihm entstand im Osterzgebirge ein Zentrum der Feinuhrmacherei. Fotos: Polster, Lange & Söhne Glashütte 99


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