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Juliane Fürstin zu Schaumburg-Lippe: Schloss Bückeburg Als die mittelalterliche Wasserburg zum Renaissanceschloss umge-baut wurde, legte man zeitgleich einen Lustgarten mit Lavendel, Kräutern und Heckensträuchern an. Fürstin Juliane legte dann die Kastanienallee mit Bäumen aus der schlosseigenen Baumschule und den Obstgarten im nördlichen Teil an. Sieben Jahre war die Fürstin mit dem 38 Jahre älteren Grafen Philipp Ernst zu Schaum-burg- Lippe verheiratet. Als er starb, musste die erst 26-jährige Ju-liane von Hessen-Philippsthal kaum vier Tage später Schloss und Stadt Bückeburg sowie die Regentschaft ihres Sohnes, des Erbgra-fen, gegen hessische Infanterieregimenter verteidigen. Dank ihrer schnellen Reaktion, den Kaiser sowie den König von Preußen um Hilfe zu bitten, zog sich das hessische Militär nach zwei Monaten zurück. Unter ihrer Ägide stiegen die Erträge der fürstlichen Güter und Forsten beachtlich, sie nahm den Bauern einige Lasten, grün-dete den Kurort (Bad) Eilsen und ließ zahlreiche Chausseen und Alleen anlegen. Juliane stellte Gelder bereit, um neue Volksschulen und Stellen für Lehrer zu schaffen. Und sie unterstützte die neu-artige Impfung gegen Pocken. Doch nicht nur das, sie ließ auch einen Gesundheitskatechismus kostenlos in Schulen verteilen. Herzogin Philippine Charlotte von Braunschweig- Wolfenbüttel: Schloss Fürstenberg Das ehemalige Jagdschloss wurde hoch über der Weser auf einem Sand-steinfelsen gebaut, jedoch ohne Schlosspark. Im 18. Jahrhundert wur-de am Südhang Wein angebaut, der später Obstbäumen Platz mach-te. Das Areal, zwar nicht als Park geplant, bietet gerade deshalb ein besonderes Naturerlebnis. Vom Schloss aus können die Schiffe der „Flotte Weser“ zu Fuß über die Terrassen hinunter und durch das Naturschutzgebiet Kathagenberg erreicht werden. 1733 heiratete Prinzessin Philippine Charlotte, Tochter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I., den Prinzen Carl I. von Braunschweig-Wolfen-büttel- Bevern. Nur zwei Jahre später wurde ihr Mann mit gerade einmal 22 Jahren regierender Herzog. Als sie den protestantischen Theologen Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem im Jahr 1744 ken-nenlernte, inspirierte sie diese Begegnung zu der Gründung eines neuen, selbstständigen Bildungsinstituts. Ein Jahr später wurde mit ihrer Hilfe das Collegium Carolinum eröffnet, das zur heutigen Tech-nischen Universität Braunschweig wurde. Der Weserdistrict war zu Lot-tines Zeit ein sehr strukturschwacher Raum. Ihr Gemahl gründete deshalb 1747 die Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Das blaue Blumendekor, das die Herzogin allen anderen vorgezogen haben soll, trägt bis heute ihren Namen. Glückel Hameln: Ohrbergpark bei Hameln Ein Gartenjuwel aus Rhododendren, Azaleen und exotischen Bäumen liegt südlich der Fachwerkstadt Hameln, in Emmertal, auf dem Gelände des Ritterguts von Ohr der Familie von Hake. Zwar gehört der Ohrbergpark zum Familienbesitz, doch war und ist er ganzjährig öffentlich zugänglich – ein englischer Land-schaftsgarten nach Ideen des Leiters des Königlichen Hofbau- und Gartendepartements in Hannover, Christian Ludwig von Hake. Sein Sohn Georg Adolph ließ später den südlichen Teil des Parks mit Freiflächen, Bäumen und Sträuchern anlegen, wäh-rend er nördlich bis heute aus Wald mit Hohlwegen und Treppen besteht. Hätte sie ihr Leben nicht in 7 Büchern niedergeschrie-ben, wir wüssten nichts über das Schicksal der Glückel Hameln geb. Pinkerle. Mit 14 Jahren heiratete sie Chajim Hameln. Chajim Hameln baute mit Hilfe seiner Frau einen gut gehenden Handel, zunächst mit Edelsteinen, dann mit Gold auf. Als Chajim 1689 plötzlich starb, musste Glückel selbst für die 8 unmündigen ihrer 12 überlebenden Kinder sorgen und führte zugleich die Geschäf-te erfolgreich weiter. Mit 45 Jahren hatte Glückel begonnen, ihre Erinnerungen aufzuschreiben, damit ihre Kinder wussten, aus welcher Familie sie stammten. Es ist die erste ausführliche Auto-biografie einer Frau, die die Zeit überdauert hat. 31 Fotos: Schloss Bückeburg, Braunschweigisches Landesmuseum Schlossgärten


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