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einige Pferde auf der Weide, dazu Hühner, Gän-se, Enten und Tauben; Wildvögel, die man ohne Rücksicht auf Naturschutz briet, nicht mitgezählt. Beliebt waren Wildkräuter, und Obst aß man roh, gebraten, gedörrt oder in Honig oder Essig ein-gelegt. Gewürzen sprach man heilende Wirkun-gen zu und glaubte, sie würden gegen Seuchen immun wirken. In Martin Luthers Wittenberger Weinkeller lagerten Weine aus Franken und vom Rhein, aus dem Elsass und aus Thüringen, aber auch Weine des eigenen Weinbergs. Dort standen über 600 Weinstöcke. Luther und die Fürsten „Torgaus Bauten übertreffen an Schönheit alle aus der Antike, selbst der Tempel des Königs Salomo war nur aus Holz“, lautet Dr. Martin Luthers Ein-schätzung der Stadt an der Elbe. An die 500 Bau-denkmale im Stil der Renaissance und der Spätgo-tik bilden hier ein städtebauliches Ensemble von unschätzbarem historischen Wert. Allüberragend und weithin sichtbar kündet Schloss Hartenfels, das besterhaltene Schloss der Frührenaissance, von der Macht der ehemaligen Fürsten. Im Sei-tenflügel des Schlosses befindet sich die Schloss-kirche. Sie wurde am 5. Oktober 1544 von Martin Luther geweiht und gilt als der erste protestantische Kirchenneubau seiner Zeit. Im 15./16. Jahr- LUTHER-INFORMATIONEN www.martinluther.de Sachsen-Anhalt www.sachsen-anhalt-tourismus.de www.lutherstaedte-eisleben-mansfeld.de www.lutherstadt-wittenberg.de www.cranach2015.de Sachsen www.sachsen-tourismus.de www.skd.museum www.schloesserland-sachsen.de www.tic-torgau.de www.landkreis-nordsachsen.de hundert war das Schloss Residenz der sächsischen Kurfürsten aus der ernestinischen Linie der Wetti-ner. Der politische Einfluss der Kurfürsten sicherte die Verbreitung der reformatorischen Ideen Martin Luthers im Reichsgebiet. So entwickelte sich Tor-gau zum politischen Zentrum der Reformation. Luthers Frau Katharina von Bora ist 1552 in Tor-gau gestorben. Als 1552, nach Luthers Tod, in Wittenberg die Pest ausbrach, kam Katharina nach Torgau, um hier Schutz zu suchen. Die Katharina- Luther-Gedenkstätte in ihrer letzten Wohnstätte erinnert heute an das Wirken der couragierten Frau. Das Stadt- und Kulturhistorische Museum in der ehemaligen Kurfürstlichen Kanzlei gibt einen anschaulichen Überblick über Torgaus reiche Ge-schichte und die Bezüge zur Reformation. Passend zum Thema sollte man eine Kulinarische Rast im Torgauer Restaurant „Herr Käthe“ machen. Denn „Meinen freundlichen lieben Herrn, Frau Katharina von Bora, lieber Herr Käthe! Wie gut Wein und Bier hab ich daheim, dazu eine schöne Frau, oder sollt ich sagen: Herren! Du tätest wohl, dass Du mir den ganzen Keller voll meines Weins und eine Flasche Deines Bieres herüberschick-test... Sonst komme ich erst wieder, wenn Du von neuem Bier gebraut hast.“ Diese Zeilen schrieb Martin Luther am 29. Juli 1534 an seine Frau. Fazit der kleinen Rundreise durchs Lutherland: Wir erfuhren auf unseren Wegen zu Dr. Martin Luther unter anderem, dass der Reformator ein Liebhaber der deftigen Kochkunst war, denn er riet schon damals: „Trinken ohne Durst, Studieren ohne Lust, Beten ohne Innigkeit – sind verlorne Arebeyt.“ Und seine Einstellung zu den leiblichen Genüssen war durchaus derber Natur: „Ich fresse wie ein Böhme und saufe wie ein Deutscher, dafür sei Gott gedankt“, da mag man gut glauben, was Luthers Freund Nikolaus von Amsdorf verkündete: Man habe den Doktor übel versehen mit Essen. dmp Foto: Tagermünder Tourismus-Büro, IMG Sachsen-Anhalt 27


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