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liest.“ Wem das nicht reicht, der sollte noch zu später Stunde mit einer Magd Cranachs zu den Wittenberger Plätzen der Ehepriester und Dirnen gehen. Sie plaudert dabei über Liebesglück und Eheleid, sowie Interessantes über Liebestränke und gute Ratschläge von Kräuterweibern. Man kann den Maler Lucas Cranach bei seiner Arbeit in der Malwerkstatt „heimlich“ beobachten. Im Anschluss an diesen Spaziergang durch die nächt-lichen Gassen Wittenbergs gibt es ein erotisch moderiertes Sechs-Gänge-Menü, welches Einblick in die Kunst der kulinarischen Verführung gibt. „Herrn Käthes“ Kulinarik Die Ehefrau Martin Luthers, Katharina von Bora, führte selbstbewusst das „Familienunternehmen Luther“. Aus armen Verhältnissen stammend, wuchs sie in verschiedenen Klöstern auf, lernte dort lesen und schreiben. Dank ihrer Klosterzeit wusste sie auch, wie man eine Gutsherrschaft ver-waltet, Gärten und Felder bewirtschaftet und wie man ein Prunkessen ausrichtet. Im Wittenberger Haushalt Luthers spielte die ehemalige Novizin von adliger Abstammung keine Nebenrolle. Martin Luther nannte sie deshalb seinen „Herrn Käthe“. Die Stadt Torgau kürt jährlich eine Frau zur Katharina-Botschafterin für herausragendes Engagement. Mit der Veranstaltung „Die Luthe-rin bittet zu Tisch“ zum Katharina-Tag wird auch kulinarisch „Herrn Käthe“ gedacht. Die Lutherischen Gemächer im „Schwarzen Klos-ter“ boten Raum genug, um die zahlreichen Tischgäste zu bewirten. Bis zu 50 Personen ver-sammelten sich täglich zum Tischgebet vor den ausgedehnten Mahlzeiten. Martin Luther legte Wert auf gutes Essen und Trinken und erfreute sich an ausführlichen Darlegungen im Rahmen seiner Tischgespräche: Denn „Gott will, dass wir fröhlich seien“. Weil Wasser nur als Quellwasser unbedenklich war, wurde dabei ein zwei- bis drei-prozentiges Weingemisch, vor allem aber Bier ge-trunken. Bierbrauen war damals in jeder größeren privaten Hauswirtschaft üblich – und es war zu-meist Frauensache, indem es zur Hauswirtschaft gehörte wie Kochen und Backen. Martin Luther nannte seine Frau bisweilen auch „Bräuerin“, zu-mal sie jährlich durch die Brauberechtigung, die mit dem damaligen Schwarzen Kloster verknüpft war, mindestens bis zu 4.500 l Bier brauen durfte. Im Hotel Alter Elbehof Werdau, vor den Toren von Torgau, lebt diese Tradition wieder auf. Seit 2010 gibt es in dem historischen Gasthof eine Braue-rei. Drei hauseigene Biersorten werden gebraut. Sie sind allemal einen Abstecher wert. Genauso wie der Besuch bei einer der letzten Paltrockwind-mühle in Audenhain, die bis 1996 noch betrieben wurde. Bei einer Mühlenführung und einem Mül-lerschmaus erfährt man viel Historisches über die Müller-Familie Ebbecke und die Windmühlentra-dition in der Region, die mit ihren Mehlen Basis für „das täglich Brot“ waren. Brot war wie Getrei-de das Hauptnahrungsmittel. Der Adel besaß ein verbrieftes Recht auf weißes Brot, schwarzes Brot war Armenkost. Die Mühle befindet sich bereits in fünfter Generation in Familienbesitz. Gekocht wurde auch im Hause Luther, wie da-mals üblich, in Kugeltöpfen oder Dreibeinpfan-nen über offenem Feuer. Da Fleisch oder Fisch zumeist am Spieß gebraten wurde, gab es keinen Bratensud. Man kreierte stattdessen Soßen aus Traubensaft oder Essig, mit Kräutern und Gewür-zen, Brot, Nuss-Mehl oder Eigelb verfeinert. Im lutherischen Hause zu Wittenberg tummelten sich unter Käthes Aufsicht zehn Schweine, drei Ferkel, fünf Kühe, neun Kälber, eine Ziege, zwei Zicklein, AUSSTELLUNGEN / VERANSTALTUNGEN LUTHER UND DIE FÜRSTEN MAI - OKTOBER 2015 | TORGAU, SCHLOSS HARTENFELS 1. Nationale Sonderausstellung zum Reformationsjubiläum – www.skd.museum/Luther 6. KATHARINA-TAG IN TORGAU 03.07. BIS 05.07.2015 – www.katharinatag.de LUTHER JAHR 2017 BERLIN, DEUTSCHES HISTORISCHES MUSEUM: Der Luthereffekt. 500 Jahre Reformation, www.dhm.de WITTENBERG, STIFTUNG LUTHERGEDENKSTÄTTEN: Luther! 95 Menschen – 95 Schätze, www.martinluther.de EISENACH, WARTBURG-STIFTUNG: Luther und die Deutschen – www.wartburg.de Fotos: © Wolfgang Sens, Alter Elbehof Werdau, Polster, Tagermünder Tourismus-Büro, IMG Sachsen-Anhalt 26 2/2015


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