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Im Vorfeld des Luther-Jahres 2017 gibt es Ausstellungen, historische Feste, Konzerte und vieles mehr. „Von daher bin ich“ 500 Jahre sind vergangen, seit sich mit dem Thesenanschlag Martin Luthers der Blick auf Kir-che und Gesellschaft grundlegend veränderte. In die spätmittelalterliche Welt hineingeboren, prägte Martin Luther wie kaum ein anderer als Reformator das Geistesleben seiner Zeit. Technische Erfindungen, wie der Kompass oder der Buchdruck revolutionierten ein ganzes Navigations- und Kommunikationssystem. 1498 entdeckte Vasco da Gama den Seeweg nach Indien, 1519-21 kam es zur ersten Erdumsegelung durch Ferdinand Magellan. Seit dem 14. Jahr-hundert fand das Pulver Verwendung für Feu-erwaffen. Peter Henlein erfand 1500 die Ta-schenuhr, und Leonardo da Vinci entwickelte u. a. Pumpen und Flugmaschinen. Bedrohun-gen durch Kriege und die wiederkehrenden Pestepidemien sorgten zusätzlich für Ängste. In Eisleben ist der Reformator Martin Luther am 10. November 1483 geboren, und dort ist er auch gestorben. „Von daher bin ich“, so Martin Luther und von daher ging er: Am 18. Februar 1546 starb Luther, der angereist war, um einen Erbstreit der Mansfelder Grafen zu schlichten, im Hause der Familie Drachstedt am Markt. Es ist heu-te als Museum „Luthers Sterbehaus“ eingerichtet und gehört, ebenso wie das Geburtshaus des Reformators, seit 1996 zum Weltkulturerbe der Unesco. Eisleben ist eine der ältesten Städte zwischen Harz und Elbe. Im 15. und 16. Jahrhundert entwickelte sie sich vor allem durch den Abbau und die Verhüttung von Kupferschiefer zur bedeutendsten Stadt in der einst mächtigen Grafschaft Mansfeld. Auch Martin Luthers Vater kam hierher, um im Bergbau sein Geld zu verdienen. Sein Elternhaus be-findet sich in Mansfeld, wo in der Marktkirche seine To-tenmaske verwahrt wird. An Martin Luther erinnert das Museum „Luthers Elternhaus“ – es gehört zur Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Mit der Ausstel-lung „Ich bin ein Mansfeldisch Kind“ ist dies die weltweit einzige Stätte, die Luthers Kindheit gewidmet ist. Stadt Wittenberg Wer nirgends isst, der wird nimmer satt. Wusste schon Martin Luther. Der Reformator leitete in Wittenberg die Erneuerung der christlichen Kirche ein und machte die Elbestadt Wittenberg zur Wiege der Reformation. Die be-rühmtesten Quadratmeter der Stadt sind wohl die des Portals der Schlosskirche. Hier soll Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen angeschlagen haben. Sie wurden zum Ausgangspunkt der Reformation und der Theo-logieprofessor Martin Luther zum Protagonisten einer Bewegung von historischer Tragweite. Die Entwicklung der deutschen Philosophie von Jakob Böhme über Leib-niz und Kant bishin zu Hegel, Fichte und Schleierma-cher, aber auch in der Musik von Heinrich Schütz bis zu den Bach-Söhnen und der Literatur von Grim-melshausen wurde damit im Wesentlichen zur Sache des protestantischen Deutschlands. Darüber hinaus war die Stadt an der Elbe die Hauptwirkungsstätte Martin Luthers und ist bis heute sichtbar vom historischen Erbe der Reformation geprägt. Weitere große Persön-lichkeiten, wie die Gelehrten Philipp Melanchthon und Johannes Bugenhagen sowie der Maler Lucas Cranach hinterließen ihre Spu-ren in der Stadt. Eindrucksvolle Renaissance gebäude, die in der Blütezeit Wittenbergs im 16. Jahrhundert entstanden sind, bestimmen das Stadt-bild. Seit 1996 ist das reformationshistorische Ensemble aus Schlosskirche, Stadtkirche, Lutherhaus und Melanchthonhaus Unesco-Weltkulturerbe. Martin Luther selbst lebte 1508 als Mönch im sogenannten Schwarzen Klos-ter am Ostrand der Stadt. Nachdem er an der Wittenber-ger Universität 1512 zum Doktor der Theologie promo-viert worden war, hatte er dort die Bibelprofessur inne. 1514 wurde er zudem als Prediger der Wittenberger Stadtkirche berufen. Als nach der Reformation 1524 das „Schwarze Kloster“ in Wittenberg verwaist war, bekam es Martin Luther vom Kurfürsten als Wohnsitz geschenkt und lebte dort mit seiner Familie (1525 Heirat mit Katha-rina von Bora) bis zu seinem Tode 1546. Essen und Trinken wie zu Luthers Zeiten kann man auch heute noch in Wittenberg. Im Hotel-Restaurant Alte Canzley gegenüber der Schlosskirche, dem sogenann-ten „Gästehaus der Könige“, kann man bei einem Menü, dem „Lutheressen“, umrahmt von mittelalterlicher Musik, den streitbaren Tischreden des Dr. Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora lauschen und erlebt dabei wie „sie unserem Martinus trefflich die Leviten Foto: © Wolfgang Sens 25


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