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geniessen_und_reisen_01_2017

Museum für die Wurst Das Deutsche Currywurst Museum in Berlin widmet sich der Wurst in einer einzigartigen Erlebnisausstellung. In einer begehbaren Imbissbude wechseln die Besucher die Perspektive und blicken hinter die Kulissen. In der Gewürzkammer lüften sie das Geheimnis des Currypulvers. In der simulierten Wohn- und Experimentierküche von Herta Heuwer wird das Lebensgefühl Ende der 40er Jahre und die Erfindung der Chillup-Soße nachempfindbar. Auf drehbaren Lamellen erfährt der Besucher Wissenswertes von der Erfindung der Pappschale bis hin zur Ökobilanz von Frischfaserpappe. Auch Entwicklung und Stellenwert von Fast- & Convenience Food greift die Ausstellung auf. Überraschende Fakten werden anschaulich auf dem Zeitstrahl präsentiert, z. B. dass es „Essen to go“ schon vor über 5.000 Jahren gab. Mit Blick auf die Gegenwart veranschaulichen vier unterschiedlich gefüllte Kühlschränke auf originelle Weise Informationen zur Konsumententypologie. Das Kino im Museum zeigt den humorvollen Film „Best of the Wurst“ Eine Wandinstallation mit integrierten Bildschirmen vermittelt die Bedeutung der Currywurst im TV. Eine Kostprobe des Objekts der Begierde, in der museumseigenen Darbietungsform einer „Currywurst in the Cup“, ist im Eintrittspreis inbegriffen. Das gastronomische Angebot umfasst diverse Variationen von Currywurst und Sauce im Rahmen einer Currywurst-Degustation. Was ist in der Wurst? Einer der es genau weiß, ist Richard Mischau, Inhaber der Mischau GmbH & Co.KG, einer der ältesten mittelständischen Wurst- und Fleischwarenproduzenten in Berlin, oder, wie er betont, die Macher der Berliner Wurstkultur. Das Familienunternehmen ist seit über 75 Jahren ein Begriff in Sachen Currywurst. Es verkauft über 250 Tonnen Wurst mit und ohne Darm jährlich. „Das sind bei einem Stückgewicht von 85 bis 100 g ca. 2,7 Mio. Currywürste im Jahr“, sagt der Currywurstchef. Zu den Abnehmern gehören heute nicht nur die Handelsketten und Supermärkte, sondern auch zahlreiche Verkäufer in Stadt und Region, etwa „Curry 36“, die über die Grenzen Berlins hinaus bekannte Imbisskette aus dem Berliner Ortsteil Kreuzberg. Sie ist neben Konnopke’s Imbiss eine der beliebtesten Buden Berlins. Das eigentliche Geheimnis der Currywurst ist nicht nur die Soße, sondern die Frage: „Mit oder ohne Darm?“ Bei den Würsten handelt es sich meist um feine, vorgegarte Brühwürste mit oder ohne Darm. Bei der echten – ohne Darm – ist, wie in denen von Mischau auch, außerdem Currypulver als Zusatz im Brät enthalten. Currywurst wird regional sehr unterschiedlich zubereitet. Teilweise wird die Sauce erwärmt, teilweise mit Currypulver gewürzt. Genaue Anforderungen zur Beschaffenheit der Berliner Currywurst wurden bereits 1951 zwischen den Berliner Behörden und der Fleischerinnung abgesprochen. Daraus ergab sich eine sogenannte Berliner Verkehrsauffassung, die von der zuständigen Landesbehörde festgeschrieben, 1967 veröffentlicht wurde. Die Wurst muss eine feine, nicht gepökelte und nicht geräucherte Bratwurst mittlerer Qualität mit einem maximalen Fremdwasserzusatz von fünf Prozent sein. Berliner Currywurst besteht aus hellem Brät (Fleisch-/ Fettmasse) und zählt zur Familie der Brühwürste. Zur Herstellung der Wurst ohne Darm wird ein spezielles Verfahren verwendet. Dabei wird das breiförmige Brät über einen langen Schlauch in ein warmes Wasserbad geleitet. Dort steift das im Brät enthaltene Eiweiß aus. Anschließend werden die Wurstschlangen auf Länge geschnitten. Die alternative Currywurst mit Pelle ist eine 23 Fotos: Mischau, Currywurst Museum Berlin Berlin


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