Bliock ins Ausland: Schweden - Lernen geht durch den Magen

Schulverpflegung_03_2013

Fotos: Polster Für die Direktorin der Grundschule Oscar Fredriksskolan in Göteborg, Britt-Marie Almer, ist der Speisesaal das Herz der Schule: „Wenn wir die Kin-der erreichen wollen, geht das nur über den Magen”, sagt die Prinzipalin. Gekocht wird täglich in einer modernen Küche ein kostenfreies Schulessen – wie in Schweden an allen Grundschulen üblich – für 450 Schüler. Ein Salatbuffet, Wasser und Milch gehören mit zum Angebot des Schulres-taurants Bamba Bambino. Auch an die Zwischenverpflegung ist mit einem Früh-stücksangebot und einer nachmittäglichen Vesper gedacht. „Wir sind sehr stolz auf un-ser Schulrestaurant. Jeden Tag servieren wir eine ausgewogene, nahrhafte Mahlzeit mit überwiegend schwedischen Gerichten“, sagt die Schulleiterin. „Neben dem Haupt-gericht gibt es eine vegetarische Mahlzeit sowie hypoallergene Mahlzeiten für die Kinder mit Allergien“. Der Speiseplan ist auch als App mobil für alle verfügbar. Aber auch in Schweden ist nicht alles Gold, was glänzt. Eine im Frühjahr 2012 vom Karolinska Institut durchgeführte Studie hat gezeigt, dass das Essen in vielen Schulen nicht den Anforderungen an nähr-stoffreicher Kost entspricht. Seit einem Jahr schreibt das Schulgesetz eine nährstoffreiche Schulspeisung vor. Nun arbeitet die Schulaufsicht an Vorschlägen, wie das Gesetz in der Praxis durchführbar ist. In Göteborg gibt es dazu eine gesetzliche Regelung der Kommune. Im sog. „Meal Programm“ ist das auf Basis der Landesge-setze geregelt. Mit ca. 1.000 Mitarbeitern in über 600 Kommunalen Küchenbetrieben wird die Gemeinschaftsverpflegung der Stadt sichergestellt. „Mahlzeit“ Göteborg ist die zentrale kommunale Dachorganisati-on, die die Menüproduktion über ihre Kü-chenbetriebe dezentral in zehn Stadtteilen organisiert. Kleinere Schulen ohne Küche Blick ins Ausland bekommen das Essen angeliefert, die Warm-haltezeit ist auf max. zwei Stunden begrenzt. Zusammen zum Ziel Damit die Zufriedenheit der Gäste steigt, findet in der Grundschule Oscar Fredriksskolan freitags ein „food-meeting“ statt, an dem Schülervertreter aller Klas-sen, Lehrer und Eltern teilnehmen. „Der Schlüssel zu unserem Erfolg sind die offenen Türen und Arme für unsere Gäs-te“, bringt es die Küchenchefin Martina Aronsson auf den Punkt. dmp Das Schulessen nimmt in der kommunalpolitischen Arbeit der schwedischen Stadt Göteborg einen zentralen Stellenwert ein. Es ist kostenfrei, gesund und die Schüler werden auch mit eingebunden. Wie das gelingt, zeigt z. B. die Oscar Fredriksskolan. Lernen geht durch den Magen Schulessen gratis 1946 beschloss das schwedische Parlament, dass alle Schulkinder ein gesetzliches Recht auf ein tägliches kostenloses, warmes Essen in der Schule haben. Nach dem Schulgesetz von 2007 müssen die Gemeinden für die Kosten aufkommen. Die schwedische Regierung genehmigte bereits 1995 einen Aktionsplan für Ernährung (Schweden Nutrition Action Plan), der von 1999 bis 2004 umgesetzt wurde. Im April 2003 wurde mit der Regierungsrichtlinie „Ziele für Public Health“ die schwedische Public Health Strategie grundlegend geändert: Der Fokus wurde von der Behandlung von Krank-heiten auf die Gesundheitsprävention verschoben. Am 1. Juli 2011 wurde eine neue Version des Schulgesetzes verabschiedet, in der verankert ist, dass jedes Kind ein kostenloses Schulessen erhält, das sich an den WHO-Vorgaben orientiert und „fettarme und kalorienreduzierte Produkte für die Schulessensproduktion” in den Mittelpunkt stellt. Bereits 2007 hat die schwedische Lebensmittelbehörde mit „Good food in school“ einen Maßnahmenkatalog vorgelegt, der u. a. Richt-linien zur Lebensmittelauswahl und zur Häufigkeit der Mahl-zeiten enthält – u. a. soll es öfters Fisch und Blutpudding ge-ben. Zurzeit werden täglich 1,5 Mio. Mittagessen in Schulen angeboten, die aus Steuergeldern finanziert werden, im Wert von acht Billionen Schwedenkronen jährlich. 3/2013 Schulverpflegung 47


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