Schillerschule, Offenbach: DAie Querdenker vom Main

Schulverpflegung_03_2013

Die Querdenker vom Main Seit über 25 Jahren kochen in der Offenbacher Schillerschule Schüler für Schüler. Dank einer Kooperation werden in der Küche auch benachteiligte Jugendliche zu Köchen ausgebildet. Fotos: Schillerschule Offenbach Oh, ich hasse Zwiebeln!“, seufzt die 15-jährige Schülerin, doch Küchenmeister Dirk Höffler kennt kein Mitleid. „Schöne, feine Ringe schneiden“, empfiehlt der Profi und zeigt, wie’s geht. „Schillerburger“ stehen heute auf dem Speiseplan der Schillerschule in Offenbach. Die Zutaten werden von den Schü-lern à la minute zubereitet. „Schüler kochen für Schüler“ – dieses Motto gilt in der Integrierten Gesamtschule seit 1986. Der Lehrer und Hobbykoch Peter Reimann stieg 1988 ins Projekt ein und steht seither mit wechselnden Schüler-gruppen am Herd. Ko-chen ist Teil des Wahl-pflichtfachs „Arbeits-lehre“. Die Lehrkräfte Uwe Stransky, Edward Kaczmarczyk, Walter May sowie zwei Kolleginnen unterstütz(t)en das Verpflegungskon-zept. „Wir waren eine der ersten Schulen, die mit Cook & Chill bzw. Cook & Freeze gearbeitet hat“, erinnert sich Peter Reimann. Dank Schockfroster und Kombidämpfer reichten die zwei Unterrichtstage pro Woche aus, um das Mittagessen für alle Schultage zu sichern. Einkäufe, Bestell- und Abrechnungswesen, Hygieneschulungen – alles wurde von den beteiligten Lehrkräften „nebenbei“ gemanaget. Potenzial in Eigenregie nutzen Trotz aller Hürden und Improvisationszwängen halten alle Betei-ligten am Selbstverpflegungskonzept fest: „Ein Caterer hatte nie eine Chance.“ Zudem kooperiert die Schule mit Auszubildenden des Gelben Hauses in Offenbach – einem Träger der Jugendberufs-hilfe, der zur Initiative Arbeit im Bistum Mainz e.V. gehört. Im Aus-bildungsprojekt „Ina“ lernen Jugendliche, die auf dem regulären Ausbildungsmarkt keine Lehrstelle gefunden haben, das Kochen unter fachkundiger Anleitung von Dirk Höffler. An den beiden Arbeitslehre-Unterrichtstagen sind weiterhin die Schillerschüler mit im Kochteam, allerdings in kleinerer Zahl. Die Kooperation ist ein Glücksfall für alle, denn beide Partner befanden sich in einer Not-lage: Peter Reimann und ein weiterer Kollege, der am Kochpro-jekt beteiligt ist, stehen kurz vor ihrer Pensionierung. „Es gibt keine Arbeitslehre-Fachkräfte, die uns ablösen könnten“, bedauert der Pä-dagoge – und auch das Ausbildungsrestaurant Ina im Offenbacher Kolpinghaus musste wegen wirtschaftlicher Probleme schließen. „Wir können nun die Ausbildung fortsetzen, ohne den wirtschaft-lichen Druck eines öffentlichen Restaurants im Nacken zu haben“, freut sich Dirk Höffler. Mit ihm wird die Schulverpflegung weiter professionalisiert. Der Koch hat einen hohen Anspruch und auch die wirtschaftlichen Aspekte müssen die Schüler bei ihm im Auge haben. Da der Träger der Jugendberufshilfe umsatzsteuerpflichtig ist und auch die Arbeitsstelle von Dirk Höffler refinanziert werden muss, ist der Preisdruck enorm. Die Herausforderung der Zukunft lautet daher: mehr Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Die Umsätze steigern will Dirk Höffler u. a. mit einem erweiterten Frühstücksangebot. Auch ernährungserzieherisch will er Einfluss nehmen – jedoch nicht mit Verboten: „Ich setze eher auf die Strategie, den Obstsalat güns-tiger anzubieten als den Schokoriegel.“ Cornelia Liederbach/lan Aus der Praxis „Wir können die Ausbildung fortsetzen, ohne den wirtschaftlichen Druck eines öffentlichen Restaurants im Nacken zu haben.“ Dirk Höffler, Koch 44 Schulverpflegung 3/2013


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