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GVmanager_10_2014

Seniorenverpflegung Seniorenversorgung der Zukunft Foto: privat; Illustration: Lopez-Ruiz Ausgelöst durch den demografischen Wandel ist die Nachfrage nach haus-haltsnahen Verpflegungs- und Versor-gungsleistungen, die ein möglichst langes und selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen, kontinuierlich steigend. Laut statistischen Berechnungen wird die Zahl der 80-Jährigen bis zum Jahr 2050 von derzeit 3,7 auf 10 Mio. steigen. Vorliegende Studien zeigen zudem auf, dass sich aktuell 28 % der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen einen Mahlzeitendienst wünschen – was nicht heißt, dass sie das Angebot auch konkret wahrneh-men. Vor dem Hintergrund dieser gesellschaft-lichen Entwicklungen und den damit verbun-denen Herausforderungen ist am Fachbereich Oecotrophologie der Hochschule Fulda unter Leitung von Prof. Dr. Stephanie Hagspihl das praxisorientierte Forschungsprojekt „Culinary-andHealth@ Home – Genuss, Gesundheit, Arbeit und Märkte in der Alterskultur (GGAMA) – Entwicklung eines bedarfs- und genussorientier-ten Verpflegungskonzepts für Senio ren in Privathaushalten“ gestartet (Laufzeit: 1.3.14 bis 28.2.17). Am Ende des vierstufigen Forschungs-prozesses soll ein zu-kunftsorientiertes Ver-pflegungs- und Versor-gungsmodell stehen, das über die Befriedigung basaler Bedürfnisse („satt und sauber“) hinausgeht und sich stattdessen indi-viduell auf die Ernährungs-gewohnheiten und Vorlie-ben von Senioren einstellt – ohne den Gesundheitsför-derungsanspruch zu vernach-lässigen. Neben einem flexiblen Menüfahrplan sollen hierzu ein di-gitaler Einkaufs- und Ernährungscoach entwickelt, umgesetzt und ausgewertet werden. Erwartungen von Genuss, Nach-haltigkeit und Ernährungsqualität sollen dabei mit ökonomischen Machbarkeitsaspekten in Einklang gebracht werden. „Senioren besitzen im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistun-gen eine noch häufig unterschätzte Kaufkraft. Unser Forschungsprojekt bezieht sich auf das Geschäftsfeld ‚Essen auf Rädern‘, mit dem Das Projekt „CulinaryandHealth@Home“ der Hoch schule Fulda will „Essen auf Rädern“ neu gestalten, mit dem Ziel eines zukunftsfähigen, multiplizierbaren Nahversorgungsmodells. Frau Hagspihl, was gab den Projektanstoß? Aktuell sind die Unternehmen und sozialen Ein-richtungen, die „Essen auf Rädern“ anbieten, darauf ausgerichtet unter hohem Kostendruck die Versorgung älterer Menschen mit Unter-stützungsbedarf zu gewährleisten. Qualitäts- und nachhaltigkeitsorientierte Werteprinzipien wie Kulinaristik, Genuss und Ressourcenerhal-tung, aber auch spezielle diätetische Anforde-rungen in sensiblen Lebensphasen, wie nach Krankenhausaufenthalten, bleiben oft unbe-rücksichtigt. Der Wunsch der Zielgruppe nach Selbstbestimmung und Selbst-ständigkeit im Umgang mit der täglichen Ernährung wird mit den derzeitigen Angeboten nur unzureichend berück-sichtigt. Die hier etablier-ten Akteure benötigen interdisziplinäre, vali-dierte Ergebnisse aus der Präventions-, Er-nährungs- und Ver-sorgungsforschung, die sich an den Be-langen älterer Men-schen orientieren, wirtschaftlich mach-bar sind und regio-nale Besonderheiten berücksichtigen. Was ist das Ziel? Die Forschergruppe aus Wissenschaft und Wirtschaft entwickelt einen konkreten Nahversorgungsansatz zur Ver-besserung des Ernährungsalltags zu Hause lebender Senioren mit Unterstüt-zungsbedarf. Der Blick der Forschergruppe richtet sich dabei sowohl auf urbane als auch ländliche Räume. Supermärkte, Poststellen, Geldinstitute und selbst Hausärzte auf dem Land ziehen sich mehr und mehr zurück, da die Bevölkerung überaltert und die jungen Menschen in die Städte gezogen sind. Im Rah- bisher bundesweit schätzungsweise 320.000 Menschen von ca. 2.500 Menü bringdiensten beliefert werden. Unser Konzept soll über die Anlieferung von Mittagessen hinausge-hen und z. B. die aktuellen Entwicklungen im E-Food-Bereich zur Entwicklung eines Kon-zepts zur Ganztagsverpflegung mit aufgreifen. Aufgrund des schlechten Images des ‚Essens auf Rädern‘ in Deutsch-land bei gleichzeitig hohem Ausbaupotenzial besteht Korrektur- bzw. Innovationsbedarf“, fasst Prof. Dr. Stephanie Hagspihl zusammen. Weitere Details hat sie uns im Interview verraten: 42 GVmanager 10/2014 Prof. Dr. Stephanie Hagspihl


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