Management - Hygienemanagement: Kontrolle ist besser

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Fotos: © mrkob – Fotolia.com, Ernd Er hat die Lizenz zum Töten, genau-er gesagt, „die Be-fähigung zum Töten von Wirbeltieren“. Der Schäd-lingsbekämpfer braucht diese Auszeichnung, um die Bekämpfung von Rat-ten und Mäusen durch-führen zu dürfen. Eine weitere Voraussetzung für einen Fachmann ist die Beachtung tierschutz-rechtlicher Aspekte. Denn wenn ein Nager in einem mechanischen Fallensys-tem nicht abgetötet ist, muss der Fachmann dies nachholen. „Inzwischen gibt es Systeme, die mir per Internet auf meinem Smart-phone anzeigen, wo eine Ratte oder Maus in die Falle gegangen ist“, beschreibt Robert Biebl, der mit Kaschmirpullover und buntem Seidenschal wohl weit entfernt ist von der verbrei-teten Vorstellung eines Schädlings-bekämpfers im grauen Overall. Der Begriff „Kam-merjäger“ ist sei-ner Meinung nach nur ein Relikt aus früheren Zeiten. Denn nicht im dunklen Käm-merlein, sondern zusam-men mit Menschen arbeitet er in der vierten Generation seit Hygienemanagement Kontrolle ist besser fast 50 Jahren im 1893 gegründeten Unternehmen Biebl & Söhne Hygiene in Taufkirchen bei München. „Schon als Kind bin ich in den Ferien mit zu Einsätzen gefahren und habe bei der Rattenbekämpfung zuge-schaut“, erinnert er sich mit einem Lächeln, das einmal mehr die Begeisterung für seinen Beruf erkennen lässt. Inzwischen arbeiten auch seine Söhne hier. „Als ich vor 47 Jahren in das Familien-unternehmen einstieg, begann gerade die klassische Schädlings-bekämpfung. Über die Jahrzehnte hat sich das Berufsbild verändert“, resümiert der Experte. Doch nicht nur das. Früher war z. B. das Firmenlogo auf dem Dienstauto gut sichtbar. Heute klebt lediglich ein klei-ner QR-Code am Auto, der Interessierte zur Homepage des Familienbetriebs führt. Die Fahrzeuge sind ohne Schriftzug, silber mit einem blauen Streifen. „Wir kommen damit unseren Kunden und ihrem Wunsch nach einem neutralen Fahrzeug entgegen“, er-klärt Robert Biebl und ergänzt: „Diskretion hat für einen Schädlingsbekämpfer höchste Priorität.“ Wie in der Medizin müsse dabei zunächst eine Diagnose gestellt und dann eine Therapie eingeleitet werden – ohne Holzhammer- bzw. Giftspritzenmethode. Schnell wird klar, warum der Schädlings-bekämpfer heute ein Ausbildungsberuf ist. Fugentief rein Es hängt von der Größe und Struktur eines Hauses ab, ob und wie häufig es regelmäßig durch ein Schädlingsbekämpfungs-Unter-nehmen kontrolliert werden muss. Viermal ist laut Robert Biebl das mindeste, sechsmal im Jahr bei kleineren Betrieben empfehlens-wert, bei großen bis zu zwölfmal. „Gerade im Bereich Gemeinschaftsverpflegung rate ich zu einem Servicevertrag und einer re-gelmäßigen Kontrolle“, betont der Experte. „Denn ein Schädlingsbefall kann z. B. in einer Klinik auch einen großen Imagescha-den zur Folge haben.“ Auf Schaben legt er dabei ein besonderes Augenmerk und erkennt, wie seine Kolle-gen, schnell, ob ein Befall z. B. im Bereich einer Spülmaschine besteht. Bereits bei der Küchenplanung kann vorgesorgt werden: Geräte sollten so platziert werden, dass die-se vom Küchen- und Reinigungspersonal von allen Seiten zugänglich sind. „Die Kä-fer wissen, wo sie ungestört sind, wo alles dunkel und ruhig ist“, erklärt Robert Biebl. In diesen Bereichen setzt er sogenannte Kon-trollpunkte – also Etiketten, die an die Wand geklebt werden, ohne dass sie offensichtlich sind. Hier befinden sich Lockstofffallen für Schaben, die bei Befall kleben bleiben. Zu-dem gibt es Scanner-Systeme, mit denen der Fachmann über den Fallen-Barcode fährt und Daten speichert. Die Dokumentation über die Kontrolle wird nach jeder Maßnah-me ausgedruckt und in einem Ordner abgelegt, wovon einer im Unter-nehmen bleibt und einer an den Kunden geht bzw. in digitaler Form zur Verfügung gestellt wird. Findet eine Inspektion statt, muss der Küchenleiter nur noch seinen Ordner mit Verträgen und Kontrolldoku-menten vorzeigen. Aus dem Ordner geht zudem der Kon-trollturnus und der allgemeine Schriftverkehr hervor. „Bei der Schaben-Bekämpfung besteht seit etwa 20 Jahren die Möglichkeit eines soge-nannten Gel-Verfahrens“, erläutert Robert Biebl. Dabei handelt es sich um einen Fraß-köder in pastöser Form, der sich in kleinen Kartuschen mit einer speziell dafür konstruierten Pistole befindet. „Damit platzieren Schaben unter der Spülmaschine oder Motten in den Nudeln – damit es nicht soweit kommt, ist eine regelmäßige Wartung durch einen Schädlingsbekämpfer wie Robert Biebl wichtig. Der Experte appelliert dabei auch an die Verantwortung der Küchenleiter. „Es gibt keine Norm, kein Fall ist wie der andere.“ Robert Biebl 54 GVmanager 4/2014


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