Küchenplanung - Sanierung: Boden wiedergutmachen

GVmanager_04_2014

Fotos: Barit Boden wiedergutmachen Im Gegensatz zur Technik einer Großküche wird deren Boden eher stiefmütterlich behandelt. Dabei kann ein unsachgemäß ausgeführter Boden schon nach zwei Jahren zum Hygieneproblem werden und eine teure Küchensanierung erfordern. Wir haben nachgefragt, warum man beim Bauen nach DIN Boden verlieren und durch welche Alternativen man Boden wiedergutmachen kann. Wenn es unter der Küche tropft, ist es längst zu spät. „Am Boden zer-stört“ bekommt dann schnell eine doppelte Bedeutung und lässt sich sowohl auf den Küchenboden als auch den über-raschten Bauherren übertragen. Oft sind auch die Architekten überrascht, vor allem wenn sie den Boden normgerecht nach DIN 18195 „Bauwerksabdichtungen“ geplant haben. Das Problem: „Diese DIN entspricht nicht mehr dem Stand der Technik“, er-läutert Dipl.-Chemiker Ingo Niedner, ein von der IHK Aschaffenburg bestellter und vereidigter Sachverständiger und Experte auf diesem Gebiet. Architekten seien sich dieses Problems aber oft nicht bewusst, schließlich bauen sie primär Gebäude und nur selten Küchen. Dass wegen Bauens nach DIN Komplettsanierungen erforder-lich sind, ist nach Erfahrung des Sachver-ständigen folglich kein Einzelfall. Problem im Detail Vermieden werden könnte das Problem, wenn bereits frühzeitig Küchenfachplaner hinzugezogen werden. Zwar sind diese laut HOAI nicht für den Küchenboden verant-wortlich, aber sie wissen, worauf im Detail zu achten ist. „Die große Bedeutung und Komplexität der Schnitt- und Schwachstel-len eines Küchenbodens ist vielen Archi-tekten und Bauherren im Voraus nicht be-wusst“, weiß Wiltrud Franz, VdF-Fachpla-nerin und Projektplanerin, aus Erfahrung zu berichten. Ihr Arbeitgeber Profil Gas-tronomie Planung + Innovation in Kriftel wird oft in derartige Fälle involviert – aller-dings häufig erst im Nachhinein, wenn die Sanierung ansteht. Wie kann es trotz Bauens nach DIN 18195 zu solchen Problemen kommen? „Die DIN hat vor allem die Gebäudehülle im Fokus und zielt darauf ab, diese durch eine unte-re Abdichtung vor Feuchtigkeit zu schützen. Sie lässt allerdings zu, dass Feuchtigkeit – in-klusive aggressiven Fetten und Reinigern – durch die Bodenkonstruktion dringen kann, etwas, das wir als Küchenfachplaner verhin-dern wollen“, erläutert Wiltrud Franz. Das Wasser verbleibt in einem Zwischen-raum oder sammelt sich letztlich auf der unteren Abdichtungsebene kurz über der Bodenplatte – ein idealer Nährboden für Schimmelpilze und Bakterien. „Damit widerspricht die DIN 18195 auch dem HACCP-Konzept. HACCP benötigt eine trockene Bodenkonstruktion, damit kei-ne gefährlichen Schimmelpilze im ,Unter-grund’ wachsen können“, ergänzt André Bartel von Barit Kunstharz-Belagstechnik einen weiteren Knackpunkt, der gerade in hygienisch sensiblen Objekten wie Kran-kenhäusern zu beachten ist. Ein weiteres konstruktives Problem der DIN ist das Gefälle, welches sie vorgibt. „Das er-fordert Bodenaufbauten von 20 bis 30 cm Höhe, die oft gar nicht realisierbar sind“, ergänzt Wiltrud Franz. Die Lösung: der Bau eines „nicht normgerechten“ Bodens. „Die DIN ist nur eine Empfehlung, man muss sich nicht zwingend an ihr orientieren“, betont der Sachverständige Ingo Niedner in diesem Zusammenhang. Er empfiehlt da-her zusätzlich eine alternative Abdichtung unter Fliesenböden zu installieren. Wiltrud Franz nennt dieses Prinzip „Hosenträger- Gürtel-Abdichtung“, frei nach dem Motto: Doppelt hält besser. Schwachstelle Schnittstelle „Wenn alle Schnittstellen ordentlich ausge-führt sind, ist aber auch ein herkömmlich aufgebauter gefliester Boden entsprechend dicht“, betont Wiltrud Franz und spricht da-mit ein generelles Manko an, das auch für die alternative Verbundlösung mit Kunst-harz gilt. „Viele Bauschäden rühren auch Durchführungen in den Boden sind klassische Schwachstellen für Undichtigkeiten. 50 GVmanager 4/2014


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