Weiterbildung - Mitarbeiterführung: Miteinander oder gegeneinander?

GVmanager_01_02_2016

Fotos: © dbunn – Fotolia.com, privat GV-Manager und ihre Chefrolle im Visier: Was macht ihren Führungsstil aus? Was ist ihnen in der Zusammenarbeit wichtig? Und wie motivieren sie ihr Team? Der GVmanager fragte nach. Romeo Saba, Küchenmeister, Hotelbetriebswirt und diäte-tisch geschulter Koch DGE im Senioren- und Pflegeheim Evangelische Hospitalstif-tung Lindau, seit 21 Jahren in einer Führungsposition: „Ich pflege einen partnerschaftlichen und kooperativen Führungsstil. Für alle Mitar-beiter habe ich stets ein offenes Ohr und stehe ihnen mit Respekt und Wertschätzung gegen-über. Mein Team weiß, dass ich viel Geduld, aber auch Durchsetzungsvermögen habe. Im Alltag erleben mich meine Mitarbeiter als einen sehr positiv denkenden Menschen, der auch mit eigenen Fehlern offen umgeht. Als Vorbild für mein „Chef sein“ habe ich mir meinen eigenen Ausbilder genommen. Er war fachlich, aber auch sozial sehr kompetent. Gerade die soziale Kompetenz habe ich bei Vorgesetzten leider nicht immer erlebt. Doch auch meine Führungsrolle hat sich verändert, weil sich die Menschen verändert haben. Die heutige junge Generation hat andere Prioritä-ten – Familie, Freunde, Freizeit und Handy sind wichtige Faktoren. Darauf muss man sich ein-stellen, ebenso wie auf den Nachwuchs- und Fachkräftemangel unserer Branche, der einen neuen Führungsstil erfordert. Heute muss ein Chef viel sensibler und verständnisvoller mit seinen Mitarbeitern umgehen. Vor allem, wenn es um verschiedene Kulturen geht. Wie ich meine Mitarbeiter moti-viere? Für mich ist es sehr wichtig, dass alle Mitarbeiter bei allen Ent-scheidungen mit im Boot sind. Ich verlange von ihnen nicht mehr, als ich von mir verlangen würde, gehe als Vorbild voran und verteile Verantwortung unter Be-rücksichtigung ihrer Stärken und Schwächen. Es ist mir auch wichtig, die Ideen der Mitar-beiter zu berücksichtigen und wenn möglich auch umzusetzen. Zu einem wertschätzenden Umgang zählt auch, dass ich meinen Mitarbei-tern zum Geburtstag gratuliere!“ Wolfgang Rocholl, Betriebsleiter der Klinikküche Kaufbeuren-Ostallgäu GmbH, war schon mit 25 Jahren Chef bei der Maritim-Hotelgruppe und führt heute 64 Mitarbeiter: „Wir produzieren täglich 1.500 Es-sen für drei Kliniken, eine Schule und zwei Kindergärten. Meine Mitarbeiter bescheinigen mir hohe soziale Kompetenz, aber auch Zielstrebigkeit und Qua-litätsbewusstsein. Bei mir steht der Mensch im Vordergrund. Allerdings bin ich zu keiner Zeit der Kumpel meiner Mitarbeiter. Man kann alles mit mir be-sprechen, nur belügen darf man mich nicht! Mit eigenen Chefs habe ich gute Erfahrungen gemacht. Von Günter Rafahl von der HOFA Heidelberg lernte ich viel über Personalfüh-rung, Erik Pratsch bewunderte ich für seine Kochkompetenz und auch meine kurze Zeit bei Paul Bocuse in Lyon prägte meinen Füh-rungsstil. Ob ich mich als Chef in all den Jah-ren verändert habe? Im Grunde bin ich gleich geblieben, allerdings hat sich mit der Zeit Wissen mit Gelassenheit vereint. Ich bin heute deutlich ruhiger, aber nicht weniger streng, was die Qualität beim Kochen angeht. Empathie ist mein wichtigstes Instrument in der Mitarbeiterführung. Es ist essenziell, zu wissen, was jeder Mitarbeiter fühlt und denkt. Das reduziert im Übrigen auch deut-lich die Krankheitstage! Das Führen ist heute schwieriger als früher, denn der Respekt des Einzelnen vor dem Chef ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Mitarbei-ter können nur motiviert arbeiten, wenn sie sich wohlfühlen. Ich gehe auf meine Mitarbeiter ein, kenne jeden genau, fördere seine Stär-ken und unterstütze ihn bei seinen Schwächen. Auch vergesse ich nie, wie wichtig Wertschätzung ist. Doch Miteinander oder Gegeneinander? 56 GVmanager 1-2 /2016


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