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GVmanager_01_02_2016

GV-Manager des Jahres 2015 dine Zerria bereits interimsweise mit einem Kollegen die Stelle des Abteilungsleiters Hoch-schulgastronomie übernommen. Als größte Herausforderung für seinen Betrieb sieht er, das Niveau der Speisenversorgung, welches das AKAFÖ erreicht, beizubehalten. „Es gibt nichts Schlimmeres, als auf seinem Erfolg sitzen zu bleiben“, sagt er. „Wir müssen also weiter nach vorne schauen und darüber nachdenken, wo es mit der Gemeinschaftsgastronomie hin-gehen soll.“ Mit dem Q-West, (s. Bild l.) einer ehemaligen Interimsküchenlösung auf dem Campus der Ruhr-Universität Bochum, gehen das AKAFÖ und der GV-Manager seit 2014 z. B. einen zukunftsweisenden Weg. Denn in dem Gebäude findet sich keine „Standard- Mensa“, sondern eine Kombination aus Café, Restaurant und Bar, die Studierende, Hoch-schulmitarbeiter, aber auch externe Gäste den ganzen Tag über mit einem Ezzedine Zerria „SCHUL-/STUDENTENVERPFLEGUNG“ abwechslungsreichen Spei-senangebot, das an Free Flow-Theken an-geboten wird, anzieht. sar z. B. die Köche, Spülkräfte und das Ausgabe-personal in den Mensen und Cafeterien. Des-halb sieht er die Auszeichnung als GV-Manager des Jahres 2015 in der Kategorie Schul- und Studentenverpflegung auch als das Ergebnis einer Teamleistung an: „Gleich am Morgen nach der Vergabe wussten die Kollegen, dass wir es geworden sind!“ Als „Seele des Betriebes“ bezeichnet der ge-bürtige Tunesier seine Mitarbeiter und verweist damit auf die große Bedeutung, die er diesen beimisst. Wenn diese nicht da wären, würde etwas ganz Essenzielles fehlen. Er selbst wür-de eine gewisse Demut empfinden, wenn er durch den Betrieb läuft und sein Team in der Küche oder Spülküche „schuften“ sehe. Bewerbung ins Blaue Ezzedine Zerria kennt den stressigen Küchen-alltag auch aus der praktischen Erfah-rung heraus. Als 23-Jähriger ist er nach Deutschland gekom-men, beruflich fasste er damals in der Gas- tronomie Fuß und startete als Spülkraft. Danach folgten Stationen im Service und eine Ausbildung als Restaurant-fachmann. Bis 2007, als es ihn an das AKAFÖ verschlug, arbeitete er in einem Hamburger Hotel. „Seit 1986 war ich in Gelsenkirchen, das Ruhrgebiet ist meine Wahlheimat. Ich woll-te wieder zurück und nicht ständig zwischen meiner Familie und der Arbeit pendeln“, blickt der Abteilungsleiter zurück. Die Stellenausschreibung als „F&B-Manager in einem Studentenwerk mit Schwerpunkt im Veranstaltungsbereich und der Betreuung der Cafeterien“ kam ihm da gerade recht – „ich habe mich einfach ins Blaue hinein beworben, denn ich habe damals gar nicht gewusst, was ein Studentenwerk ist“, räumt er ein. Etwa acht Monate nach dem Start im AKAFÖ hat Ezze- Fo- tos: 1-2 /2016 GVmanager 13 Foto: AKAFÖ Bochum und ehrliche Produkte mit Liebe zuzubereiten. Das AKAFÖ Bochum kooperiert mit dem Stu-dentenwerk in Tunesien. Was lernen die tunesi-schen Kollegen von Ihnen? In einer Partnerschaft lernt man immer voneinander – wenn man nicht fachlich voneinander lernt, dann viel-leicht auch menschlich. Bei der Kooperation mit den tunesischen Studentenwerken geht es um Know-how-Transfer, es geht nicht um eine mate-rielle Unterstützung. Unsere tunesischen Kollegen waren z. B. hier vor Ort und haben sich unsere Küche angeschaut und ein Hygiene-Handbuch für die Studentenwerke in Tunesien geschrie-ben. Wir haben bei einem Besuch in Tunesien hingegen z. B. gese-hen, dass alle Lebensmittel beim Wareneingang unmittelbar in neue Kisten verpackt werden und haben dies hier auch übernommen. Sie haben das Ruhrgebiet als Ihre Wahlheimat erkoren. Was gefällt Ihnen am „Pott“ besonders? Mir gefällt hier sehr vieles. Seit 1986 bin ich bereits im Ruhr-gebiet, genauer gesagt in Gelsenkirchen, „Auf Schalke“ – ich bin durch und durch Schalke-Fan. Wenn Sie z. B. in Gelsenkirchen in eine Kneipe oder ein Café gehen, braucht es keine zwei Minuten und schon haben Sie einen Gesprächspartner – der Ruhrpottler ist eben offen und freund-lich. Mir gefällt auch dieses „Kumpelhafte“ aus dem Bergbau, das Füreinander da sein. In ihrer Handlung sind die Men-schen im Ruhrgebiet eher robust – das merkt man auch in der Aussprache mit dem „dat“ und „wat“ – aber ich weiß genau, der Ruhrgebietler ist ein wunderbarer Mensch und ich fühle mich hier deshalb sehr wohl. Vielen Dank für das Gespräch! sar JETZT MAL EHRLICH... Herr Zerria, was tun Sie als erstes, wenn Sie morgens in die Arbeit kom-men? Was als letztes? Als erstes begrüße ich meine Kollegen und Mit-arbeiter – bei 465 Mitarbeitern an unterschiedlichen Standorten wie Bochum, Gelsenkirchen und Reckling-hausen ist es natürlich nicht möglich, jeden einzelnen zu begrüßen. Für 2016 habe ich mir deshalb vorgenommen, die weiter entfernten Betriebe häufiger zu besuchen. Oft bin ich es, der als letzter das Büro verlässt. Wenn ich hier aus der Tür hinausgehe, lasse ich den Arbeitstag hinter mir. Manchmal lasse ich den Tag auf dem 35 km langen Heimweg noch Revue passieren; an sich kann ich dann aber gut abschalten. Sie sagen selbst über sich, dass Ihre Mitarbeiter Sie als „harten Hund“ bezeichnen würden. Was meinen Sie damit konkret? Ich ticke ein bisschen anormal, aber das ist auch gut so. Denn ich bin sehr detailverliebt und penibel: Das wirkt auf andere oftmals anstren-gend. Mir geht es aber darum, dass nichts verloren geht. Ich spreche dabei von Dingen, wie der Qualität, die Ware, die wir verarbeiten oder die Menschen, also Mitarbeiter und Gäste. Gibt es aus Ihrer Sicht ein „Geheimnis“ für einen erfolgreichen GV-Betrieb? In der Gastronomie braucht es zwei Dinge, die man wirklich beachten sollte: zum einen soll-te man Liebe für die Menschen haben und zum anderen sollte man alles von Herzen machen. Dazu braucht man einen Vor-gesetzten, der einem vertraut und einen „machen“ lässt. Wenn man beherzigt, dass man etwas tut, um andere Men-schen glücklich zu machen, kommt der Erfolg irgendwann von allein. Ich sage immer, man muss die Ente nicht in der Luft tranchieren können. Viel wichtiger ist es, gute


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