Preissensibilität - Weg von der isolierten Preisbetrachtung

GVmanager_01_02_2015

Illustration: Lopez-Ruiz Weg von isolierter Preissensibilität -13 % -17 % -26 % € den Fingern zer-rinnt und Lebensmittel immer teurer werden. Doch stimmt das überhaupt? Tatsächlich kostete Schnitt-käse im vergangenen Herbst 14,1 % mehr als vor einem Jahr. Auch Kopfsalat verteuerte sich laut Statistischem Bundesamt um 19,1 %. Spitzenreiter waren Tomaten, deren Preis um 26 % stieg. Doch im Gegenzug sanken andere Preise: Butter gab es im Herbst 13 % günsti-ger als noch vor einem Jahr. Äpfel wurden um 17 % billiger verkauft, Kartoffeln sogar um 26 %. Die „gefühlte Inflation“ liegt höher als die offizielle Inflation, die derzeit mit 0,8 % beziffert wird. Länger zurückliegende Preis-anstiege, z. B. für Butter, haften offenbar im Gedächtnis, unabhängig davon, dass die Prei-se zwischenzeitlich wieder gesunken sind. Mit der persönlichen Preisempfindung ist es so eine Sache: Der Preis von Milch oder Fleisch z. B. wird schnell als hoch empfunden, obwohl diese Nahrungsmittel mit allem, was dahinter steckt, weit wertvoller sind. Die Redaktion GVmanager sprach mit Dr. Thomas Angerer, Experte für Preispsychologie, über die kompli-zierte Welt der Preiswahrnehmung: Herr Dr. Angerer, Menschen investieren viel Geld in neue Handys oder Flatscreens. Doch wenn das 3-E-Schulessen ein paar Cent teurer werden soll, gibt es Proteststürme. Warum ist das so? Hightech-Produkte sind für die meisten Men-schen nun mal spannender als Lebensmittel. Die neuen Möglichkeiten, die man entdecken kann – das ist verführerisch. Dazu sind die neuesten Handys auch Statussymbole, die im Sinne eines demonstrativen Konsums erwor-ben werden. Der Preis kann ruhig höher sein, denn der Besitzer zeigt damit: Ich kann es mir leisten, das gönne ich mir! Woher kommt die geringe Wertschätzung für Lebensmittel? Immerhin sind es doch Mittel, die uns – anders als ein Smartphone – am Le-ben erhalten? Ein echtes Bedürfnis ist häufig gar nicht das Motiv für den Kauf eines Produkts. Auslöser ist meist Neugierde. Etwas am Produkt ist beson-ders und weckt das Interesse des Verbrauchers. Beim Verkauf von Nahrungsmitteln, wie dem Schulessen, wird dagegen meist versäumt, das Besondere hervorzuheben. Ein Produkt, ohne Zusatzinformation angeboten, weckt jedoch selten Begeisterung. Die Folge: Der Verbrau-cher entscheidet über den Preis. Doch wenn Alles dreht sich um den Preis – vor allem bei Lebensmitteln. Doch der Ausstieg aus der Preisspirale ist möglich. Preisbetrachtung Küchenmanager klagen beim Einkauf ihrer Waren über gestiegene Preise, die Gäste im Betriebscasino über das Schnit-zel, das plötzlich 10 ct mehr kostet. So ziemlich jeder hat das Gefühl, dass das Geld zwischen 28 GVmanager 1-2/2015


GVmanager_01_02_2015
To see the actual publication please follow the link above