Page 35

24_Stunden_Gastlichkeit_06_2015

Zwischen Mainstream und Nische schlecht drauf ist, überträgt sich das auf die Stimmung der Gäste und den Umsatz. Auch bei den Partys und Konzerten kommt es auf die richtige Mischung an. Trends er-kennen, aber nicht alle mitmachen, ist wich-tig. Die Große Freiheit 36 probiert erfolgreich den Spagat zwischen Kulturszene und Kom-merz, Mainstream und Subkultur. Besonders ins Herz geschlossen hat Benjamin Steinecke die Gothic-Szene der „Schwarze Nacht“-Par-ty. „Die sehen finster aus, mit Leder und Nie-ten, sind aber sehr nette und treue Gäste.“ Inzwischen läuft der Party-Betrieb nur noch von Mittwoch bis Samstag, früher täglich. Während der Partybereich hart umkämpft ist, profitiert die Große Freiheit 36 vom Boomen der Live-Musik-Branche. Konzerte machen inzwischen die Hälfte des Umsat-zes aus. Neil Young, Robbie Williams, Kylie Minogue, die White Stripes oder Coldplay standen hier schon auf der Bühne. Steineckes Lieblingsact war Jack Blacks Tenacious D. Schon länger hier Zwei bis drei große Konzerte führt die „GF 36“ jährlich selber durch, auch, damit die Azubis die komplette Organisation kennen-lernen. Denn den Rest der jährlich über 100 KONZEPT GROSSE FREIHEIT 36 – HAMBURG Party-Club mit DJ oder Live-Musik l Betreiber: Karl-Hermann Günther l Mitarbeiter: 40–50 Angestellte, ca. 70 freie Mitarbeiter (DJs, Security etc.) l Kapazität: 1.300 Gäste ERFOLGSFAKTOREN ➙➙ Club-Legende ➙➙ Lage ➙➙ Konzerthalle und Party-Club ➙➙ Zwischen Subkultur und Mainstream Konzerte organisieren Fremdveranstal-ter. Da auch das Docks (oder D-Club) auf der Reeperbahn dem gleichen Besitzer gehört, dem ehemaligen Kieler Realschul-lehrer Karl-Hermann Günther, spricht man sich bei den Partys (Elektro und Techno sind im Docks zuhause) ab und tritt gemeinsam bei den Getränkelieferanten auf. Bei den Tresen- Mitarbeitern sucht Benjamin Steinecke eher „Nachttypen“, die „das Kiezflair schon mal gespürt haben und auch abkönnen“, schlag-fertig und unter Druck freundlich bleiben. „Natürlich geht es darum, Geld zu ver-dienen, aber wir sehen uns schon auch als Kulturförderer sind“, betont er. Daher gibt es Newcomer-Konzerte im Kaiserkeller, die seine jeweils drei Azubis zum Veranstal-tungskaufmann organisieren. Hamburg ist ein hartes Pflaster für junge Bands, das Pu-blikum verwöhnt. Eher Herzensangelegen-heit als kommerzieller Erfolg war auch ein „50 Jahre Star Club“-Festival mit Auftritten etwa vom „fünften Beatle“ Pete Best. Der Star Club war früher direkt gegenüber, des-sen Ex-Chef und Kiezlegende Horst Fascher ist ein Freund des Hauses. Der Pilzkopf-Ruhm zieht heute nur an-dernorts. „In UK spricht mich jeder dar-auf an“, erzählt Benjamin Steinecke. „Da kennt jeder die Große Freiheit 36 wegen der Beatles – und selbst ich wer-de deswegen da wie ein Rockstar behandelt.“ Für Hamburger zählt noch mehr, dass hier einst Hans Albers im Kultfilm die Reeperbahn- Hymne sang. Florian Maaß 24 Stunden Gastlichkeit 6/2015 35 Fotos: Große Freiheit 36


24_Stunden_Gastlichkeit_06_2015
To see the actual publication please follow the link above