Preisdruck hält weiter an

Datum 19.01.2016 | Rubrik: de
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Der MIV heute vor der Presse in Berlin (von links): Vizevorsitzender Hans Holtorf (frischli), Vorsitzender Peter Stahl (Hochland), MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser und Dr. Björn Börgermann, Pressesprecher des MIV (Foto: molkerei-industrie)

Die Marktlage wird im ersten Halbjahr 2016 wohl weiter von Preisdruck gekennzeichnet sein, so der Tenor auf der Pressekonferenz des Milchindustrie-Verbandes (MIV) am 19. Januar in Berlin. Allerdings sind die langfristigen Perspektiven für den weltweiten Milchmarkt aufgrund der zu erwartenden Verdoppelung des Milchverbrauchs in den kommenden 30 Jahren weiterhin sehr gut. Ob sich die nächste Markterholung bereits in der zweiten Jahreshälfte abzeichnen wird, bleibt offen, sagte MIV-Vorsitzender Peter Stahl (Hochland), der zugleich darauf hinwies, dass sich die Kurse an den Terminmärkten aktuell festigen und bereits wieder ein Milchpreis von 34 Cent abgesichert werden kann.

Die aktuell ausbezahlten Milchpreise werden, wie Stahl bestätigte, in den Fällen nicht erwirtschaftet, in denen die Verwertung einer Molkerei rein auf MMP und Butter beruht. Solche Unternehmen werden wohl noch weiter von der Substanz zehren müssen, bis sich der Markt wieder fängt. Mit anderen Worten: im Moment entscheidet bei Commodityherstellern die Liquidität über Wohl und Wehe. Bei Markenartiklern sei es aber noch möglich, die Milchpreise im Markt zu holen, ergänzte Stahl. MIV-Vizevorsitzender Hans Holtorf (frischli) ergänzte dies mit der Bemerkung, dass irgendwann ein Signal für die Milcherzeuger folgen wird und diese dann ihre Produktion einschränken. Die Frage sei nur, wann dieses Marktsignal kommen wird. Prognosen für den Milchpreis wagt der MIV nicht. Laut Stahl könne eine Markterholung überraschend schnell erfolgen, die Branche sei auch überrascht wie lange die Preisdepression im Milchmarkt bereits anhält … Niemand hat ein Rezept dafür, wie sich so starke Marktschwankungen, wie wir sie aktuell sehen, auffangen lassen. Vielmehr wird es wohl ein Bündel an kleinen Maßnahmen sein, die die Branche voranbringen könnten, sagte Holtorf.

Die aktuelle Wiedereingliederung des Iran in den Welthandel bietet durchaus auch Perspektiven für die deutsche Milchwirtschaft. Das Problem im Iran sind aber die filigranen Distributionsstrukturen, da es keine etablierten Ladenketten gibt, berichtete Stahl aus der Erfahrung von Hochland. Gleichwohl könne ein Export gestützt auf lokale Distributionspartner erfolgversprechend sein, auch wenn der Iran auf Sicht wohl Direktinvestitionen einfordern wird. Von einer möglichen Rückkehr von Russland als Importeur für westliche Mopro dürfe sich die Branche nicht zu viel erwarten, denn der Wechselkurs von Rubel zu Euro nimmt viel von der früher vorhandenen Kaufkraft der Russen. Im Konnex Export begrüßt der MIV ausdrücklich die jüngsten Initiativen im Bundeslandwirtschaftsministerium, in dem das für Exportzulassungen wichtige Veterinärwesen personell gestärkt wurde.

In Bezug auf das Vertragswesen zwischen Molkereien und Erzeugern plädiert der Dachverband weiter für Vertragsfreiheit. Etwaige Vorschriften für Verträge würden den Milchpreis keinesfalls steigern können, so dass sich der Staat aus den Beziehungen von Lieferant und Milchkäufer heraushalten sollte.

 



Quelle: molkerei-industrie
Autor: Sossna
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