BMI wird wieder mehr auszahlen

Datum 20.06.2016 | Rubrik: de
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BMI_2016

 

BMI-Pressekonferenz am 20. Juni in Landshut (von links): Vorstandsvorsitzender Peter Hartmann, Vorstand Dr. Thomas Obersojer und Reinhold Hoh, stellv. Vorstandsvorsitzender (Foto: molkerei-industrie)


Die Bayerische Milchindustrie (BMI) musste im letzten Jahr erlösbedingt ein Umsatzminus von 10,7% auf 540,4 Mio. € hinnehmen. Dabei umfasste der Rohstoffeingang 917 Mio. kg Milch und 2,049 Mrd. kg Molke, womit die 2-Mrd.-kg-Marke 2015 erstmals gerissen wurde.

 

Milchpreis steigt

Den Milchpreis gibt die BMI für 2015 mit 30,31 Cent an (4,2% Fett, 3,4% Eiweiß). Basierend auf der sinkenden Anlieferung in der EU und in Deutschland, sich langsam erholenden MMP-Preisen und einem positiven Importtrend in China, geht Hartmann davon aus, dass sich der Milchmarkt in der 2. Jahreshälfte erholen kann – sofern die Intervention weiterhin nutzbar bleibt. Leichte Preiserholungen sieht die BMI auch bei Molkenpulver, Molkenderivaten, Lactose und VMP sowie bei Käse, wo Bulkware ab Juli wieder höhere Preise findet. All dies ermuntert die BMI, ihren Milchpreis ab Juli um mindestens 0,5 Cent anzuheben.

 

Biomilch

Von der eingegangenen Rohmilch entfielen 697,7 Mio. kg auf konventionellen und 27,5 Mio. kg auf Bio-Rohstoff. Bei Biomilch ergab sich ein Plus von 15,3%, was die eigene Erfassung angeht. Hinzu kommen Zukäufe von Bio-Sekundärrohstoff in Höhe von 260 Mio. kg Molke und 44 Mio. kg Milch, so dass die BMI 2015 inkl. 12 Mio. kg eigener und 272 Mio. kg zugekaufter Biomolke insgesamt auf 342 Mio. kg Biorohstoff kam. Dies entspricht rechnerisch etwa 50% des gesamten deutschen Biomilchaufkommens. Im Bereich der Biomolkenderivate (11,7 Mio. kg in 2015, + 10,5%) ist das Unternehmen seit Jahren Weltmarktführer, der Schwerpunkt liegt bei WPC, Lactose und entmineralisiertem Molkenpulver. Quer über alle Sparten gerechnet, hat die BMI im letzten Jahr 16,9 Mio. € Umsatz im Biobereich erwirtschaftet, seit 2011 lag das jährlich Plus bei durchschnittlich 10,6%. Exportiert werden Bio-Mopro nun auch nach Australien und Neuseeland.

Auf Sicht will die BMI, so Vorstandsvorsitzender Peter Hartmann, ihre Position auf 70 Mio. kg eigener Biomilch ausbauen, dazu kommen steigende Mengen aus der eigenen Biokäseproduktion, mit der das Unternehmen speziell in Drittländern erfolgreich ist. Im Moment ist lt. Hartmann übrigens ausreichend Biomagermilch auf dem Markt, was ein Indiz dafür sein könnte, dass der Biomilchsektor seine Spitze inzwischen überschritten hat. Reinhold Hoh, stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der BMI, ergänzte, dass sich Biomilcherzeuger durchaus bewusst seien, dass sich der Preisabstand zu konventioneller Milch wieder auf die üblichen 8 bis 10 Cent bewegen wird. 

 

Produktion und Absatz

Produziert hat die BMI im letzten Jahr 143.000 t Frischprodukte (+ 2,7%), 65.300 t Käse (+ 2,7%) und 122.300 t Trockenerzeugnisse (+ 1,9%), was insgesamt einer um 2,4% höheren Tonnage entsprach. Die Absatzmenge von 413.800t (+ 2,4%) teilte sich auf in 142.200 t Frische (+ 2,1%), 64.400 t Käse (+ 2,4%) und 115.800 t Trockenprodukte (- 1,3%). Der damit verbundene Umsatz gliederte sich in 177,1 Mio. € Frischware (- 6,7%), 193,9 Mio. € Käse (- 13,1%) und 155,4 Mio. € Trockenerzeugnisse (- 13,7%, das Minus war stark bedingt von der Preislage im asiatischen Markt). Insgesamt ergab sich eine Verschiebung beim Exportanteil, der mit 47% am Umsatz erstmals seit Jahren wieder unter der 50%-Marke lag. Im Inland erzielte die BMI einen Umsatz von 286,2 Mio. € (- 5,4%), die Geschäfte mit der EU umfassten 211,4 Mio. € (- 17,4%), die mit Drittländern kamen auf 42,8 Mio. € (- 7,7%).Nach Asien wurden Waren im Wert von 17,1 Mio. € verkauft, über die letzten fünf Jahre hin konnte die BMI ihr dortiges Geschäft um im Schnitt 10,9% p.a. ausbauen. Wie Hartmann betonte, wird der Biomilchmarkt auf weitere Sicht hohe Nachfrage ausweisen.

Rohertrag und Eigenkapital

BMI-Vorstand Dr. Thomas Obersojer hob bei der Erläuterung des Jahresergebnisses insbesondere die Rohertragssituation hervor. Dieser hat sich seit 2009, dem Krisenjahr der BMI, fast verdoppelt, d.h. er konnte jedes Jahr um im Durchschnitt 10,9% gesteigert werden. In dem für 2015 mit 124 Mio. € optisch etwas geringer ausfallenden Rohergebnis sind 4,3 Mio. € Aufwand für die Schließung des Werks Langenfeld und den Ausbau des Standortes Jessen sowie ca. 5 Mio. € für Umberwerttungen von Beständen enthalten. Noch deutlicher wird die finanziell stabile Lage der BMI beim Blick auf das Eigenkapital, das sich seit 2009 um über 400% auf 62,8 Mio. € erhöhte, was 44% der 2015er Bilanzsumme entspricht.

In der Bilanz 2015 ist das Anlagevermögen mit 65,3 Mio. € ausgewiesen, rd. 12 Mio. € mehr als im Vorjahr, während die Bilanzsumme mit 144,1 Mio. € um rd. 1,5 Mio. € unter der des Vorjahres liegt. Die Verbindlichkeiten ggü. Finanzinstituten wurden um 0,9 Mio. € auf 4,9 Mio. € abgebaut.

 

Strategische Investitionen

Die Investitionen der BMI macht Hartmann nicht von kurzfristigen Milchpreissituationen abhängig. 2015 stiegen die investiven Aufwendungen des Unternehmens auf fast 25 Mio. € und umfassten so ca. das Doppelte des Vorjahrs. Flaggschiff ist der Ausbau des Standortes Jessen, in den bis 2018 72 Mio. € fließen. Damit wird ein Werk entstehen, das 30.000 Hartkäse (Cheddar), aber auch Schnittkäse und Cagliata), 12.000 t Block- und 8.000 bis 9.000 t Kugelmozzarella sowie 30.000 t Trockenerzeugnisse herstellen kann. Lactose soll in Jessen auf einer Wirbelschichtanlage getrocknet werden, um 12.000 t Trocknungskapazität im Turm für andere Produkte frei zu machen. Das neue Werk wird eine komplett automatisierte Innenlogistik haben, sowohl für die Käse- wie auch für die Pulverproduktion. Dadurch wird sich am Ende die Mitarbeiterzahl, die Stilllegung von Langenfeld berücksichtigt, kaum verändern.

Daneben werden die anderen Standorte der BMI nicht vernachlässigt: Zapfendorf bekam 2015 ein MF für Bio- und eine UF für Sauermolke sowie einen Quarkseparator ( der die Kapazität um 5.000 t auf 25.000 t bringt), Würzburg erhielt eine neue Pasteurisierungslinie und eine neue Kälteanlage, Ebermannstadt wurde mit einer neuen Käsekonfektionierung ausgestattet, in Jessen wurden die Reibekapazitäten aufgestockt.

 

Management der Rohstoffbasis

Für die Zukunft will die BMI ihre Rohstoffbasis anders managen. 75% der Rohstoffmenge sollen aus den eigenen Liefergenossenschaften und den Mitgliedsunternehmen bezogen werden. 15 – 20% sollen durch Zukaufskontrakte und 5 – 10% aus dem Spotmarkt gedeckt werden.

 

Warenterminbörsen weisen aus Sicht der BMI noch zu hohe Bürden auf, um wirksam für das Risikomanagement werden zu können. Speziell die Sicherheitsleistungen wirken prohibitiv. Hier fordert Hartmann Starthilfe durch staatliche Bürgschaften, die es der Branche leichter machen könnten, in den Futureshandel einzusteigen.

 

Aktuelle politische Diskussion

Wie Peter Hartmann, Vorstandsvorsitzender der BMI, am 20. Juni vor der Presse in Landshut erklärte, wuchs die Rohstoffmenge des Unternehmens über die letzten fünf Jahre im Mittel um 2%/a, wobei Milch um im Schnitt 2,6% und Molke um 1.4% zulegten. Schon von daher sieht die BMI wenig Anlass, ihre Mengen in irgendeiner Weise zurückzuführen, wie es aktuell von manchen Kreisen propagiert wird. Bei den Milchkaufverträgen sieht Hartmann keinen Handlungsbedarf für Änderungen, da die BMI ähnlich wie private Molkereien nicht direkt mit einzelnen Bauern, sondern mit MEGs und ähnlichen Gruppierungen verhandelt. Ob eine Branchenorganisation für Deutschland Sinn macht, ob Verbände letztlich sagen können, welche Molkerei wie viel verarbeiten sollte, dahinter macht Hartmann ein dickes Fragezeichen. Die aktuelle politische Diskussion bezeichnet der Molkereimanager als vorschnell und überhitzt.

 

 

 

 



Quelle: molkerei-industrie
Autor: Sossna
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