Lebensmittelproduktion 4.0

News vom 06.02.2018

Die Teilnehmer der 11. Produktionsleiter-Tagung der Akademie Fresenius diskutierten schnell umsetzbare Verbesserungsmaßnahmen sowie die grundsätzliche Ausrichtung aller Prozesse auf eine digitale Fabrik. Potenziale zur Verbesserung können Produktionsleiter im Großen wie im vermeintlich Kleinen finden. Eine wichtige Stellschraube für Herstellungskosten zu senken sind Reinigungsprozesse. „Bei signifikanten Einsparungen bei der Reinigung ist für Lebensmittelhersteller eine deutliche Steigerung der Marge möglich.“ Davon ist André Boye (Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV, Dresden) überzeugt. Er stellte Forschungsprojekte und Anwendungsbeispiele moderner Reinigungsverfahren, Schlagwort „Reinigung 4.0“, vor.

 

Der Erfolg beginnt meist bei der Überprüfung aktueller Prozesse. „Bei Reinigungsvalidierungen von Tanks in Großunternehmen wurde ermittelt, dass nur 15 bis 40 % der Reinigungszeit für eine vollständige Reinigung notwendig wären“, so André Boye. Diese Überreinigung lasse sich durch drei Maßnahmen vermeiden oder verringern: virtuelle Auslegung der Reinigungssysteme, Einsatz von Verschmutzungssensorik und Nutzung adaptiver Reinigungssysteme.

 

Adaptive Reinigungssysteme

Solche Systeme orientieren sich nicht an einem starren Programm, das sich z. B. auf den Worst Case ausrichtet. Stattdessen erfolgt die intelligente Auswahl der Reinigungsparameter durch ein selbstlernendes System. Dieses reagiert auch auf unvorhergesehene Situationen und lernt daraus. Im Gegensatz zu Standardreinigungssystemen ist das mobile Reinigungsgerät nicht fest in einer Anlage installiert, sondern kann flexibel zur Reinigung von mehreren Anlagen genutzt werden. Es ist mit einem optischen Sensorsystem zur Schmutzerkennung für die bedarfsgerechte Reinigung ausgestattet. Dieses zeigt automatisch an, welche Bereiche wie gereinigt werden müssen und wann die Reinigung erfolgreich abgeschlossen ist. So erstellt das mobile Gerät automatisch auch das Reinigungsprotokoll.

 

Nach dem Audit ist vor dem Audit

Hans-Werner Ahrens gewährte den Teilnehmern der Tagung einen Einblick in die Vorbereitung und Durchführung der rund 35 verschiedenen Audits. Er empfiehlt die Erstellung eines Audit-Masterplans, um größere Audits auf das gesamte Jahr verteilen zu können. Die Vorbereitung auf Audits ist für ihn mehr als Organisation und Routine. Viel Aufmerksamkeit widmet er dem „Faktor Mensch“. So gelte es, den Mitarbeitern so weit wie möglich die Hintergründe der Audit-Anforderungen zu vermitteln. Im Audit selbst komme es darauf an, wie gut man sich auf den oder die Auditoren einstellen kann. Es hilft, Hintergründe, Erfahrungen und Lieblingsthemen der Auditoren zu kennen. Um dafür zu sorgen, dass Regeln und Standards nicht nur im Audit, sondern auch darüber hinaus eingehalten werden, arbeitet Ahrens mit „gelben Karten“: Mit gezielten Überprüfungen können Führungskräfte feststellen, welche Regeln die Mitarbeiter noch nicht einhalten und welchen Erklärungsbedarf es gibt. Kleine symbolische gelbe Karten verdeutlichen die wichtigsten Regeln und motivieren zur Einhaltung.

 

EU-Verordnung zur Acrylamid-Reduzierung

2018 kommen wichtige gesetzliche Neuerungen auf die Lebensmittelindustrie zu. Der auf Lebensmittelrecht spezialisierte Rechtsanwalt Markus Grube von der Kanzlei KWG aus Gummersbach stellte die wichtigsten vor. Im April tritt die neue EU-Verordnung zur Reduzierung der Acrylamidgehalte in Kraft. Bindende Grenzwerte für Acrylamid und Sanktionen im Fall ihrer Überschreitung sieht die Verordnung zwar nicht vor. Sie nennt lediglich Richtwerte. Aber sie definiert Verarbeitungsvorgaben für Pommes frites und andere frittierte Erzeugnisse, um möglichst niedrige Acrylamidwerte zu erzielen.

 

Terminankündigung: 12. Fresenius-Jahresauftakttreffen „Produktionsleiter-Tagung“: 22./23. Januar 2019 in Dortmund, www.akademie-fresenius.de

 

Foto: Akademie Fresenius