Kennzeichnungspflicht bleibt unklar

Datum 20.11.2014 | Rubrik: Home | Ort: Magdeburg
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Wie ein Workshop zum Thema der Allergenkennzeichnungsverordnung im Rahmen der FBMA Herbsttagung zeigt, ist die Branche verunsichert. Der deutsche Gesetzgeber bleibt eine Umsetzungs-Verordnung schuldig und die Zeit drängt.


Das Problem: Wenn Deutschland bis zum 13. Dezember 2014 kein Gesetz oder Durchführungsverordnung zur europäischen Allergen-Kennzeichnungspflicht umgesetzt haben sollte, würde die LMIV gemäß europäischer Vorgaben mit allen daraus resultierenden Konsequenzen rechtskräftig. „Die Konsequenz könnte eine Welle von Abmahnungen in der Hotellerie & Gastronomie sein“, fürchtet Udo Finkenwirth, Präsident der Food + Beverage Management Association e.V..

Die Allergenkennzeichnungspflicht auf Grundlage der europäischen Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) stand auf der diesjährigen FBMA-Herbsttagung in Magdeburg als ein Fokusthema auf der Agenda des Branchentreffs. In Barcamps – einer Mischung aus Tagung und offenen Workshops – wurde die Materie von Fachleuten erläutert und im Anschluss aus Sicht von Branchenentscheidern eingehend diskutiert. Anlass für den gemeinsamen Themen-Workshop war die Umsetzungs- und Rechtsunsicherheit, die sich aus der ab Dezember gültigen europäischen Lebensmittel-Informationsverordnung ergibt.


Praxisfremd und eine Einladung für „Abmahnvereine“

Das einhellige Fazit aus der Praxis fasst Jochen Oehler, Geschäftsführer der progros Einkaufsgesellschaft und langjähriges FBMA-Mitglied, zusammen: „Wir erwarten von den verantwortlichen Instanzen einen zeitlichen Aufschub, und dass es dann zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr 2015 klare Informationen zur Umsetzung der Anordnung geben wird. Denn vieles, was heute in der LMIV steht ist für die Hotellerie und Gastronomie so gar nicht umsetzbar, weil praxisfremd“, erklärt Oehler und ergänzt, dass „eine lupenreine Umsetzung der LMIV die eine oder andere Existenz kosten könne“. Für die Übergangszeit empfehlen die Branchenkenner der FBMA daher eine Übersicht mit Angabe der Allergene und Speisen zu erstellen, um im Notfall zumindest diese vorlegen zu können bzw. aktiv darauf hinzuweisen, dass eine solche Übersicht im Betrieb vorhanden ist. Denn: „Die große Gefahr sind vor allem die Abmahnvereine, die hier Morgenluft wittern dürften“, erklärt Oehler.


EAN-Nummern bieten schnelle Information

Die FBMA, der Fachverband für Führungskräfte der Hotellerie und Gastronomie, hatte neben den Mitgliedern ausgewiesene Experten zu den verschiedenen Themenbereichen geladen. So führte Melanie Müller, Ernährungsberaterin und Trainerin des DAAB e.V. (Allergikerbund) aus, dass „… eine Spurenkennzeichnung für Allergene eine sinnvolle und derzeit noch freiwillige Angabe ist, die insbesondere aus Produkthaftungsgründen erfolgen sollte. Die Allergenkennzeichnung ist zum Schutz der Gesundheit des Allergikers und muss ernst genommen werden. Eine Falschinformation könne tatsächlich auch Lebensgefahr bedeuten – mit allen rechtlichen Konsequenzen“, ergänzt die Ernährungsexpertin aus Halle an der Saale. Eine gute Versorgung mit Allergeninformationen könne über aktuelle Produktdatenblätter, wie sie über die EAN-Nummer im Internet leicht recherchierbar sind, gewährleistet werden, gab Marc Oliver Steins von GS 1 Germany den Anwesenden als Rat mit auf den Weg.

Elektronische Hinweistafeln und Aushänge sind ausreichend

Die EU-Vorlage für ein Plus an Verbraucherschutz und Transparenz sorgt im Hospitality-Bereich weiter für Verunsicherung. Die Verordnung, die u.a. eine verpflichtende Allergenkennzeichnung für lose Ware vorsieht, führt zu der Befürchtung, dass Speisekarten kurzfristig umgestaltet und Tagesgerichte nur noch mit bürokratisch aufwendigen Zusätzen angeboten werden dürften. „Die Allergenkennzeichnungsverordnung hat zum Ziel, dass Allergiker sich nicht mehr im Restaurant outen müssen. Ist das Allergen im Produktnamen eindeutig identifizierbar – zum Beispiel „Walnusskrokant“ – muss nicht noch einmal explizit gekennzeichnet werden, dass das Produkt Walnüsse enthält“, erklärt Müller den Gedanken hinter der Verordnung. Demnach erwarten die FBMA-Mitglieder auch für die später folgende, nationale Durchführungsverordnung, dass offen zugängliche, elektronische Hinweistafeln oder Aushänge ausreichend sein werden, um den Grundsatz einer Allergeninformation ohne explizite Nachfrage des Allergikers zu gewährleisten. Neben der Ernährungsberaterin Melanie Müller waren noch Michael Möhring von Möhrings Foodservice Kompetenz sowie Marc Oliver Steins, Branchenmanager Foodservice bei GS1 Germany, Kompetenzpartner des FBMA-Barcamps zum Thema Allergene.

Bild: siepmannH  / pixelio.de



Quelle: FBMA
Autor: ast / Redaktion gastroinfoportal
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