Fipronil von A bis Z

Datum 14.08.2017 | Rubrik: Food | Ort: Berlin
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Eier CB
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat auf Basis einer Mitteilung im Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF), derzufolge in Belgien erhöhte Gehalte an Fipronil in Eiern und Hühnerfleisch festgestellt wurden, eine Risikobewertung erstellt (Gastroinfoportal vom 11.August 2017). Vor diesem Hintergrund hat das Institut die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema zusammengefasst.
 
Was ist Fipronil?
Fipronil ist ein Breitspektrum-Insektizid. Es wird u.a. gegen Ameisen, Flöhe, Läuse, Zecken, Schaben und Milben eingesetzt. Eine Anwendung an lebensmittelliefernden Tieren (Nutztieren) ist nicht zulässig.

Welche Auswirkungen kann Fipronil grundsätzlich auf die menschliche Gesundheit haben?
Im Tierversuch ist Fipronil akut toxisch, wenn es oral oder über die Haut aufgenommen oder inhaliert wird. Der Stoff ist nicht als haut- oder augenreizend eingestuft und verursacht keine allergischen Hautreaktionen. Im Tierversuch an Ratten, Mäusen, Hunden und Kaninchen wirkt Fipronil toxisch auf das Nervensystem, wobei diese Effekte bei erwachsenen Tieren reversibel sind. Bei Ratten wird Neurotoxizität bei den Nachkommen dosisabhängig beobachtet, wenn die Muttertiere den Stoff aufgenommen haben. Darüber hinaus werden toxische Lebereffekte in Ratten und Mäusen beobachtet. Fipronil ist nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht als mutagen und nicht als kanzerogen eingestuft.

Wie viele Eier können verzehrt werden, ohne dass der gesundheitliche Richtwert (Akute Referenzdosis) überschritten wird?
Beispielhaft kann bei dem bislang höchsten in Belgien (nicht in Deutschland) gemessenen Gehalt von 1,2 mg Fipronil/kg Ei ein Kind mit einem Körpergewicht von 16,15 kg rein mathematisch 1,7 Eier (bei einem Eigewicht von 70 g) und ein Erwachsener von 65 kg Körpergewicht 7 Eier an einem Tag (einmalig bzw. innerhalb von 24 Stunden) essen, ohne dass der gesundheitliche Richtwert, die akute Referenzdosis (ARfD), überschritten wird. Solange dieabgeschätzte maximale Aufnahmemenge unterhalb der ARfD bleibt, ist eine gesundheitliche Gefährdung unwahrscheinlich. Ein Kind mit einem Körpergewicht von 10 kg, was einem Alter von etwa einem Jahr entspricht, kann danach 1 Ei pro einem Tag (einmalig bzw. innerhalb von 24 Stunden) essen, ohne dass der gesundheitliche Richtwert, die akute Referenzdosis (ARfD), überschritten wird.

Eine Überschreitung der ARfD bedeutet aber nicht zwangsläufig eine konkrete Gesundheitsgefährdung, sondern zeigt nach dem derzeitigen Stand des Wissens an, dass eine gesundheitliche Gefährdung für Verbraucherinnen und Verbraucher nach Verzehr dieser belasteten Hühnereier möglich ist. Der Sicherheitsfaktor zwischen der höchsten Dosis in Tierstudien, bei der keine signifikanten gesundheitsschädigenden Befunde beobachtet wurden, und der akuten Referenzdosis für den Menschen beträgt bei Fipronil 100. Das heißt, die Dosis, die in Tierstudien zu keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung führte, wurde durch 100 geteilt, um für die Übertragung auf den Menschen einen angemessenen Sicherheitsabstand zu erlangen. Die gesundheitlichen Richtwerte schließen auch sensible Bevölkerungsgruppen wie Schwangere oder Senioren ein.
 
Auf welcher Basis wurde Fipronil bewertet?
Die gesundheitliche Risikobewertung der in Hühnereiern und Hühnerfleisch gemessenen Fipronilgehalte erfolgte auf Basis einer Ausschöpfung der akuten Referenzdosis (ARfD). Die ARfD von Fipronil wurde aus Entwicklungsneurotoxizitätsstudien bei Ratten abgeleitet; dabei wurde ein Sicherheitsfaktor von 100 verwendet. Im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung für Pflanzenschutzmittel wurde die ARfD auf den Wert 0,009 mg/kg Körpergewicht festgelegt. Die ARfD ist definiert als diejenige Substanzmenge pro kg Körpergewicht, die über die Nahrung mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages ohne erkennbares gesundheitliches Risiko für den Verbraucher aufgenommen werden kann.

Was passiert, wenn die akute Referenzdosis (ARfD) überschritten wird?
Eine Überschreitung der ARfD bedeutet nicht zwangsläufig eine konkrete Gesundheitsgefährdung, sondern zeigt nach dem derzeitigen Stand des Wissens an, dass eine gesundheitliche Gefährdung für Verbraucherinnen und Verbraucher nach Verzehr dieser belasteten Hühnereier möglich ist. Der Sicherheitsfaktor zwischen der höchsten Dosis in Tierstudien, bei der keine signifikanten gesundheitsschädigenden Befunde beobachtet wurden, und der akuten Referenzdosis beträgt bei Fipronil 100.

Bestehen gesundheitliche Risiken bei dem Verzehr von Eiern durch die vorliegenden Fipronilgehalte?
Basierend auf den derzeit verfügbaren Informationen und den deutschen Verzehrsdaten (Nationale Verzehrsstudie II) ergibt sich für keine der untersuchten Verbrauchergruppen, einschließlich Kindern, eine Überschreitung der akuten Referenzdosis (ARfD). Legt man die europäischen Verzehrsdaten (EFSA PRIMo, Rev. 2) zugrunde, ergeben sich für Erwachsene ebenfalls keine Überschreitungen der ARfD. Auf Basis europäischer Verzehrsdaten für Kinder ergibt sich eine Überschreitung der ARfD um das 1,6 fache durch Hühnereier. Dies gilt allerdings nur bei dem höchsten Wert (1,2 mg/kg im Ei), der in Belgien gemessen wurde. Alle anderen Analysenergebnisse, die dem BfR derzeit vorliegen, führen nicht zu einer Überschreitung der ARfD.

Bestehen gesundheitliche Risiken bei dem Verzehr von Hühnerfleisch durch die in Deutschland gemessenen Fipronilgehalte?
Nach bisherigem Kenntnisstand wurde ein Fipronil-haltiges Mittel illegal in Ställen, in denen Jung- und Legehennen zur Eiproduktion gehalten werden, eingesetzt. Fleisch von Legehennen kann beispielsweise als Suppenhuhn verwendet werden. Die Erzeugung von Broilern oder Masthähnchen erfolgt in gesonderten Betrieben. Dem BfR liegen keine Hinweise für den Einsatz von Fipronil in solchen Betrieben vor. Auf Basis amtlicher Analysenergebnisse aus Deutschland hat das BfR eine Bewertung der wenigen bislang übermittelten Daten zu Fipronilgehalten in Hühnerfleisch vorgenommen. Die Daten stammen ausschließlich von Jung- und Legehennen aus den wenigen in Deutschland betroffenen Betrieben. Das BfR kommt zu dem Schluss, dass bei Verzehr von Hühnerfleisch nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand eine akute gesundheitliche Gefährdung der betrachteten Verbrauchergruppen, einschließlich Kinder, unwahrscheinlich ist. Die gesundheitliche Risikobewertung erfolgte auf Basis einer Ausschöpfung der akuten Referenzdosis (ARfD). Die ARfD ist definiert als diejenige Substanzmenge pro kg Körpergewicht, die über die Nahrung mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages ohne ein erkennbares gesundheitliches Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher aufgenommen werden kann.

Gibt es generelle Verzehrsempfehlungen für Eier?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt bis zu 3 Eier wöchentlich, inklusive verarbeiteter Eier. Es handelt sich um Orientierungswerte für Erwachsene.

Verändert sich bei der Verarbeitung von belasteten Eiern der Fipronilgehalt?
Nach derzeitigem Kenntnisstand wird Fipronil durch Kochen oder Braten (bis zu 120 °C über 20 Minuten) nicht abgebaut. Daher werden für verarbeitete Erzeugnisse derzeit gleiche Fipronilgehalte wie für unverarbeitete Eier angenommen. Eier werden zur Herstellung einer Vielzahl von Lebensmitteln verwendet. Der Eianteil in den verschiedenen Lebensmitteln variiert. Dabei ist bei Lebensmitteln, die unter Zusatz von Eiern hergestellt werden, von einer Verdünnung der Fipronil-Konzentration auszugehen.

Welche Fipronilgehalte in Eiern führen nicht zu einer Überschreitung der akuten Referenzdosis?
Auf Grundlage des europäischen Expositionsmodells Primo als „Worst Case“ kann eine Fipronilkonzentration von 0,72 mg/kg (Summe aus Fipronil und seinem Sulfonmetaboliten, berechnet als Fipronil) in Hühnereiern als maximale Konzentration angesehen werden, bei der nach derzeitigem Stand des Wissens für keine der untersuchten Verbrauchergruppen ein akutes gesundheitliches Risiko besteht, da die ARfD nicht überschritten wird.

Welche Rückstandshöchstgehalte gelten für Fipronil in Eiern und Hühnerfleisch?
Für Fipronil gilt ein Rückstandsh.chstgehalt von 0,005 mg/kg (Summe aus Fipronil und seinem Sulfonmetaboliten). Hier handelt es sich um die analytische Bestimmungsgrenze. Bei Überschreitung der Rückstandsh.chstgehalte sind die Lebensmittel nicht verkehrsfähig.

Was passiert, wenn die Rückstandshöchstgehalte überschritten werden?
Lebensmittel dürfen nicht verkauft werden, wenn die Gehalte an Fipronil die geltenden EU-Rückstandshöchstgehalte überschreiten. Werden bei Kontrollen Überschreitungen festgestellt, werden die Produkte vom Markt genommen. Eine kurzzeitige Überschreitung bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Verzehr dieser Lebensmittel mit einem gesundheitlichen Risiko verbunden ist.

Weitere Informationen zu Warnungen und Information der Öffentlichkeit
Die Bundesländer oder das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) publizieren auf der Internetseite www.lebensmittelwarnung.de öffentliche Warnungen und Informationen im Sinne des § 40 des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches.


Quelle: BfR; Foto: Colourbox.de
Autor: flo/Redaktion Gastroinfoportal.de
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