Bayern: Umfrage zum Rauchverbot

Datum 01.08.2011 | Rubrik: Marktforschung | Ort: München
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München. Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz von BFT e.V. Bürger für Freiheit und Toleranz, dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband BHG-DEHOGA Bayern und dem Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur VEBWK e.V. stellte das beauftragte Institut MIFM Münchner Institut für Marktforschung und dessen Leiter Helmut Aumüller eine repräsentative Stichprobe vor. Zwischen Mai bis Juli 2011 wurden bayernweit über 600 Gastronomiebetriebe telefonisch und persönlich befragt, die der Gattung „Getränkegeprägte Kleingastronomie" angehören.

Eine solche Differenzierung gelang erstmals und wurde durch ein aufwändiges Screening-Verfahren möglich. Bislang basierten fast alle gängigen Untersuchungen dieser Art auf sehr pauschalen Zusammenfassungen aus Datenbanken, die im Zuge der aktuellen Bearbeitung erhebliche Fehlerquellen aufwiesen. So befanden sich u. a. sogar ein pensionierter Lehrer, Fast Food-Betriebe und ein Sterne-Restaurant in der Rubrik „Getränkegeprägte Gastronomie". Mit der nun vorgestellten Studie erhält man genaue und belastbare Detailergebnisse. Die Resultate schaffen eine neue Beurteilung der Situation.
Befragt wurden sechs verschiedene Betriebsarten: Bar/ Lounge, Bistro, Coffee Shop, Disco/ Club, Gaststätte und Kneipe. Die Untersuchung hielt sich sehr eng an der Struktur der Grundgesamtheit und kann somit als repräsentative Stichprobe gewertet werden. Über 600 Betrieben antworteten, wovon 410 Interviews berücksichtigt wurden. Die Grundgesamtheit der sechs Betriebsarten beträgt 6.747 Lokale. Etwa zwei Drittel der Betriebe befinden sich in Südbayern, ein Drittel in Nordbayern. Über 70 % gehören der Gattung Kleingastronomie bis 99 m² an, 3/4 der Befragten waren Inhaber, und 68 % der Betriebe haben ein bis drei Mitarbeiter. Damit wurde ein sehr reales Bild der bayerischen Kneipenlandschaft gezeichnet.

Hier einige Ergebnisse im Überblick:
- Eine große Mehrheit hält das Rauchverbot für eher schlecht
- Rund 30 % der Gäste bleiben weg
- Fast 2/3 der Gäste bleiben kürzer
- 70 % der Kunden sind Stammgäste
- Auch die Mehrheit der Stammgäste kommt seltener seit der Einführung des Rauchverbots
- Zwei Drittel beklagen Umsatzrückgänge, im Schnitt um 28 %
- Im Durchschnitt sind rund 60 % der Gäste Raucher
- Die große Mehrheit der Gäste hält sich an das Rauchverbot
- 1/3 der betroffenen Gastronomen hat bereits Entlassungen oder Arbeitszeitverkürzungen vorgenommen, bzw. überlegt, dies zu tun
- Entlassungen treffen Festangestellte und Aushilfskräfte gleichermaßen
- 47 % kennen Wirte, die ihren Betrieb wegen des Rauchverbots geschlossen haben, bzw. über eine Schließung nachdenken
- Knapp 30 % der Befragten denken selbst über eine eventuelle Schließung nach

Dazu meinten die Vertreter der Initiatoren:

Bodo Meinsen, Vorsitzender BFT e.V. Bürger für Freiheit und Toleranz:
„Wir sehen in den Ergebnissen die Bestätigung, dass mit dem bayerischen Rauchverbot eine falsche Wirkung erzielt wurde. Hier wurde auf dem Rücken der Kleingastronomie eine Strategie umgesetzt, die eigentlich andere Ziele verfolgt. Die dadurch entstandene Verzerrung und Ungerechtigkeit sollte die Gesellschaft nicht länger hinnehmen und die mitverantwortlichen politischen Instanzen täten gut daran, nach einem Jahr das Gesundheitsschutzgesetz und dessen Anwendungs-bestimmungen auf den Prüfstand zu heben."

Angela Inselkammer, BHG-DEHOGA Bayern:
„Die Studie belegt, dass im Falle des Rauchverbotes bei den Wirtshäusern und Kneipen genau das eingetreten ist, worauf wir im Vorfeld hingewiesen haben: Rückläufige Umsätze, die viele kleinere Betriebe vor das wirtschaftliche Aus stellen. Und die weiteren geplanten Reglementierungen wie z.B. die Sperrzeitverlängerung werden diesen Prozess noch beschleunigen. Die Frage ist nur, ob sich alle der Tragweite dieser Eingriffe in die unternehmerische Freiheit bewusst sind und die wirtschaftlichen wie auch sozio-kulturellen Konsequenzen daraus auch wirklich so mittragen wollen."

Franz Bergmüller, Vorsitzender VEBWK e.V.
„Bereits heute gibt es in etwa 500 bayerischen Gemeinden kein klassisches Wirtshaus mehr. Bei etwa 2.200 Gemeinden insgesamt, ist das immerhin ein Anteil von fast 23 %. Der Kommunikationstreffpunkt entfällt, Alternativen gibt es nicht. Wenn überhaupt, dann blüht eine Graugastronomie im privaten Umfeld auf. Und dort wird dann auch geraucht. Somit sehen wir in der Behandlung der Kleingastronomie eine sehr relevante Ungerechtigkeit, denn die Wirte verlieren reihenweise ihre Existenz, während dem Gesundheitsschutz keine nennenswerte Verbesserung zugekommen ist."

Dr. Werner Gloßner, Private Brauereien Bayern e.V.
„Bierige Wirtschaften mit wenig Frequenz spüren die negativen Auswirkungen deutlich. Vor allem auf dem Land fehlt der Kern des Landgasthofes, wenn sich der Stammtisch im Schützenheim oder privat trifft. Gerade in derartigen Objekten liegt der Rückgang des Bierabsatzes bei 10 bis 15 %, mancherorts bei bis zu minus 20 %."


Im Bild (v.l.n.r.): Franz Bergmüller, Angela Inselkammer, Helmut Aumüller, Bodo Meinsen, Hans Koller (VEBWK), Dr. Werner Gloßner


mth/24 Stunden Gastlichkeit



Quelle: Theimer
Autor: mth

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