Clostridium in vakuumverpacktem Fleisch
Ob mit
Clostridium estertheticum kontaminiertes Fleisch zum Genuss für den Menschen
geeignet ist, unterliegt sehr starken subjektiven Einschätzungen. Denn die
durch Lebensmittelkontrolleure erfolgte Beurteilung „zum Verzehr nicht
geeignet" setzt nicht voraus, dass das Fleisch völlig ungenießbar ist. Verdorbenes
vakuumverpacktes Rindfleisch durch psychrophile (kälteliebende) Vertreter des
Genus Clostridium wurde erstmalig 1989 von Dainty et al. sowie Kalchayanand und
seinen Kollegen beschrieben. Im deutschsprachigen Raum dokumentierten erstmals
Ziegler E. et al. aus dem MRI Kulmbach und Hadorn et al. aus der Schweizer
Forschungsanstalt ALP dieses Phänomen im Jahre 2008. Daraufhin rückten
kältetolerante Clostridien vermehrt ins Interesse der Forschung. Der bisher
neben Clostridium gasigenes am häufigsten nachgewiesene Erreger Clostridium
estertheticum ist ein psychrophiler, anaerober Sporenbildner, der nachweislich
beim Verderb von vakuumverpackten Rindfleisch beteiligt ist (C. R. Helps et
al., 1999). Unter Gasbildung und Entwicklung äußerst unangenehmer Gerüche -
bekannt ist die Verderbnissymptomatik unter der Bezeichnung ´Blown Pack
Spoilage´ - ist das Stäbchenbakterium in der Lage, auch bei Einhaltung der
Kühlkette vakuumverpacktes Fleisch zu verderben. Bindende mikrobiologische
Referenzwerte wurden rechtlich nicht festgelegt, so dass Bell und Garout schon
im Jahre 1994 empfahlen, dass zur Beurteilung der Genusstauglichkeit immer
mikrobiologische sowie sensorische Methoden kombiniert werden sollten.
Kontaminiertes
Fleisch im Handel

Wie häufig im Handel vakuumverpacktes Rindfleisch
unterschiedlichster Herkunft mit C. estertheticum kontaminiert ist, untersuchte
eine Arbeitsgruppe unter Prof. Dr. Dr. M. Gareis am Kulmbacher
Max-Rubner-Institut (MRI). Neben Verdachtsproben wurden auch visuell
unauffällige Packungen (n ≈ 200) molekularbiologisch mittels
Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) auf den Erreger untersucht. 88 % der Analysen
wurden als positiv gewertet, 12 % als negativ. Da die EU aber in puncto
Rindfleisch trotz eines Selbstversorgungsgrades von knapp 99 % seit 2005 zu den
Nettoimporteuren zählt, war von Interesse, ob andere Fleischsorten ebenso
betroffen sind. Untersuchungen am MRI zeigten, dass 75 % der Wildfleisch-, 60 %
der Putenfleisch- und 50 % der Lammfleischproben mit C. estertheticum belastet
waren. Damit ist belegt, dass die C. estertheticum-Problematik weitaus ernster
ist, als bislang angenommen war und sich nicht nur auf die Markt führenden
Exportländer wie Brasilien, Australien, Neuseeland und die USA bzw. auf den
Rindfleischhandel beschränkt. ..........
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