Appetit auf Geschichte

Das „Augustiner an der Krämerbrücke" in Erfurt verbindet Gegensätze: die Weißwurst trifft auf Rostbratwürste, Historie auf Modernität. Mit bayerisch-thüringerischer Kost, einem idyllischen Biergarten und Münchner Bier feierte das Wirtshaus aus dem 14. Jahrhundert im Mai seine Neu-Eröffnung. Mitten im Herzen der Erfurter Altstadt, versteckt in grüner Natur, direkt an der fließenden Gera liegt das „Augustiner an der Krämerbrücke". Der Biergarten bietet Platz für etwa 170 Gäste, im Inneren können rund 110 Personen auf drei Gast­raumebenen bewirtet werden. Die Geschichte des Wirtshauses lässt sich bis ins Jahr 1328 zurückführen. Als einziges in Erfurt besteht das Haus noch aus Natursteinen, auf die bei der Renovierung sensibel geachtet wurde. Vor etwa fünf Jahren wurde begonnen, die alte Steinruine herzurichten und in ein rustikales Gasthaus zu verwandeln. In Kooperation mit den Eigentümern, dem Augustiner-Bräu München und der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, wurde die Investition bewerkstelligt. Der Pächter und Wirt Uwe Machnik (53) erklärt die baulichen Veränderungen: „Wir haben innen eine offene Treppengalerie konstruiert, so dass wir heute drei Etagen haben, die miteinander verbunden sind - dadurch bekommt unser Haus einen speziellen Charme." Zudem wurde der gesamte Biergarten unterkellert, um Platz zum Lagern, für die Vorräte, die Kühlung und die Bierfässer zu haben. Im Erdgeschoss befinden sich der Ausschank und das Grillzimmer mit dem Buchenholzgrill, auf dem jeden Abend Spezialitäten wie Thüringer Rostbratwürste oder Lammrückenkoteletts zubereitet werden.

 

Verwinkeltes Flair

Im ersten Stock erwartet den Gast der Luther-Raum. Die Wände sind mit kunstvollen Bildern aus der Zeit des Theologen geschmückt, antike Möbel stehen im Raum und auf dem Balkon, kleine Accessoires - z. B. Steinbierkrüge in den Nischen oder weiß-blaue Servietten - erinnern an Bayern. Nebenan in der kleinen Küche wird gebrutzelt und gebraten, u. a. mit Geräten des Schweizer Unternehmens Salvis. „Bei den Kochgeräten ist es wichtig, dass nicht nur der Preis, sondern auch die Qualität stimmt. Salvis ist da eigentlich die Krönung unter den Küchengeräten", so die Meinung von Küchenchef Klaus Drews. Etwa 350 bis 450 Portionen werden am Tag ausgegeben. 16 Mitarbeiter arbeiten in der Küche, etwa 15 im Service. Viel Platz ist in der Küche nicht, daher gibt es im Keller noch einen weiteren Zubereitungsraum. Die komplette Spülküche ist ins zweite Obergeschoss ausgelagert und liegt auf der gleichen Etage wie das Erfurter-Gastzimmer, das in der Einrichtung die örtliche Historie widerspiegelt. „Heute lebt Geschichte in dem Haus. Wir wollten einen heimischen Punkt für die Erfurter schaffen, mit altem Brauchtum und alter Gastronomie - einen Ort zum Verweilen und Wohlfühlen, ein Ort, der authentisch ist", verrät der Wirt die Philosophie des Hauses. Originalität und Authentizität haben Priorität, daher kommt alles aus der Region, vom Geschirr bis zu den Lebensmitteln - bis auf das Bier, das aus München geliefert und in Halbe- oder Masskrügen ausgeschenkt wird. Bei schönem Wetter zapft der Wirt täglich um 18 Uhr im Biergarten ein Holzfass an. Am Augustinerbier gefällt Uwe Machnik der Geschmack und die Tradition: „Man merkt, dass die Braumeister Fingerspitzengefühl haben, sie bleiben ihrem Geschmacksweg treu." Schon in seinem vorigen Gasthaus, dem „Zum Augustiner", das nur zwei Minuten von der Krämerbrücke entfernt liegt, arbeitete er 17 Jahre mit der Brauerei  erfolgreich zusammen.

Bodenständig lecker

Die Speisekarte ist ein kulinarischer Schmelztiegel zwischen Bayern und Thüringen: Der Obazda steht neben dem Thüringer Fleischkäse, die Weißwurst neben der Rostbratwurst und der bayerische Schweinsbraten neben dem Thüringer Rostbrätel. „Wir wollen keine Gourmetküche sein, aber eine gehobene Gastronomie bieten. Die Qualität des Essens muss stimmen, und es muss attraktiv angerichtet sein", erklärt der Küchenchef Klaus Drews. Zusätzlich zur Speisekarte gibt es eine Tageskarte mit saisonalen Angeboten, z. B. Spargel oder Blumenkohl. Das Hauptgeschäft beginnt ab 17 Uhr, dann kann man sich das Bier im Garten per Selbstbedienung holen. Durch den Einfluss der Münchner Brauerei und Stiftung werden auch bayerische Traditionen gelebt, z. B. gibt es am Wochenende Weißwurstfrühstück oder Steckerfisch vom Holzkohlegrill. Schon nach den ersten Wochen scheint das Konzept aufzugehen. In der nächsten Zeit sollen erste Veranstaltungen folgen und auch in der Küche junge leute ausgebildet werden. Genug Erfahrung in dem Bereich bringt der Küchenchef mit, denn seit 17 Jahren sitzt er in der Prüfungskammer der IHK. Uwe Machnik und Klaus Drews ziehen nach dem ersten Vierteljahr eine positive Bilanz. Der Küchenchef erinnert sich: „Wir haben schon vor 20 Jahren hier gestanden und uns gedacht: Das muss ein Biergarten werden, der passt perfekt in diese Ecke." Heute ist er da. lan

www.augustiner-erfurt.de     

Konzept:

Historisches Wirtshaus mit drei Gastraumebenen, idyllischem Biergarten und thüringerisch-bayerischer Küche

- Inhaber: Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, Augustiner-Bräu München

- Pächter/ Wirt: Uwe Machnik

- Mitarbeiter: ca. 30

- Sitzplätze: 110 innen, 170 im Biergarten

Erfolgsfaktoren:

- Lukrativer Standort an der Krämerbrücke

- Authentisches Ambiente durch ausdrucksvolle Accessoires
- Natursteinhaus aus dem 14. Jahrhundert

- Augustiner-Bier aus Holzfässern

Profi-Partner (Auswahl)

- Bier: Augustiner-Bräu München

- Convectomat: Salvis

- Fritteuse, Bräter: Salvis

- Porzellan, Besteck: Eschenbach, Triptis

- Spültechnik: Winterhalter

 

 

 



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