Kommentar

Seit einiger Zeit macht - nach dem Bio-Boom - ein zunächst unscheinbarer Begriff die Runde: Nachhaltigkeit. Mittlerweile hat er sich verselbständigt und ist zum Inbegriff des verantwortungsvollen Umgangs mit den Ressourcen geworden. Der Begriff scheint nicht mehr länger ein „grünes Hirngespinst" angegrauter Öko-Spinner aus den 80er-Jahren zu sein, sondern macht auch in unserer Branche mächtig Karriere: ob bei Kaffeeröstern, in der Tiefkühlindustrie oder beim kürzlich eröffneten ersten Energiespar-Restaurant von Burger King. Doch steckt wirklich etwas Langfristiges dahinter? Warum sind plötzlich auch Arbeitsverhältnisse nachhaltig? Oder wird der inzwischen inflationär  gebrauchte Begriff nur zu PR-Zwecken genutzt, um der Öffentlichkeit ein vermeintliches Umwelt-Engagement vorzugaukeln?

 Nachhaltigkeit sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Unternehmen, die eine Papiersammelaktion auf die Agenda setzen, sollten dafür keinen Orden erwarten. Vielmehr geht es darum, dass ein nachhaltiges Handeln in Fleisch und Blut übergeht. Wenn demnächst also ein neuer Kochblock fällig ist oder die Kühlung modernisiert werden soll, löchern Sie Ihren Küchenplaner, Gastronomieberater oder Außendienstler mit Fragen zu diesem Thema. Ein bewusster Umgang mit Strom, Wasser und Reinigungsmitteln, das Entsorgungsverhalten und der Einsatz energieeffizienter Technik spart nachweislich Kosten und trägt zur Verbesserung der Zukunft nachfolgender Generationen bei. Und Energiekosten zählten laut aktuellem Dehoga-Branchenbericht in Folge des letzten Winters für 51 % der befragten Gastronomen und Hoteliers zu den Hauptproblemfeldern.

Mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt und energiesparende Lösungen erfolgreich und  kostensenkend in ihren Alltag integriert haben die inzwischen fast 4.900 Betriebe der „Energiekampagne Gastgewerbe". Vor zwei Jahren waren es noch rund 3.700 Betriebe. Es könnte also sinnvoll sein, alte Kühlschränke durch neue, energiesparende Geräte zu ersetzen und so pro Jahr über 1.000 Euro Stromkosten zu sparen wie im Goethe-Cafe in Weimar. Durch die Erneuerung des Heizkessels und den Ersatz der elektrisch betriebenen Wärmepumpe durch eine Solarthermie-Anlage werden im Restaurant Rose in Vellberg im Hohenloher Land 80.000 kWh Brennholz und 8.000 kWh Strom pro Jahr gespart - d. h. 6.000 kg weniger CO2-Emission im Vergleich zu 2.250 l Diesel. Die Montage von Bewegungsmeldern in Liefergängen und Toiletten führte im Restaurant Stadthalle Ostfildern über Jahre hinweg trotz höherer Preise zu konstanten Energiekosten, da 50.000 kWh weniger Strom verbraucht wurde. Sie sehen, es lohnt sich also durchaus, dem Thema einen höheren Stellenwert beizumessen. Auch auf der hogatec und dem Messe-Trio InterCool, InterMeat und InterMopro wird das Thema Nachhaltigkeit diskutiert werden. Falls Sie nach Düsseldorf fahren, ist das eine gute Gelegenheit, sich mit anderen Gastronomen zu diesem Thema auszutauschen. Suchen Sie das Gespräch! Vielleicht treffen Sie zufällig einen Kollegen aus Ihrer Nähe, der ganz ähnliche Vorstellungen hat wie sie oder dem Ihre Probleme bekannt sind. Klimaschutz geht uns alle an!

Marco Theimer



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