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Kommentar
Ein Gespenst geht um und spukt mittlerweile in jedem erdenklichen Bereich der Hotellerie und ihrer gesamten Zulieferindustrie herum! Denn alle reden plötzlich von nachhaltiger Sales-Performance, engagieren Nachhaltigkeitsmanager und veranstalten Nachhaltigkeitskongresse für die neue Papierspenderkollektion. Das Gespenst namens Nachhaltigkeit, das ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammt, ist zu einem Allrounder für Marketingstrategen geworden, der für alles und nichts herhalten muss - und selten wirklich etwas ändert. Manchmal glaubt man sich bei all den Nachhaltigkeitspostulaten für ein besseres Produkt in einem endlosen Sommerloch zu befinden. Nachhaltigkeit ist zu einem Stellvertreterwort für Weltfrieden geworden! Nachhaltigkeit ist geil! Doch wie so oft, stecken lediglich grüne Seifenblasen mit einer großen Portion Schuldbewusstsein dahinter. Aber warum? Sehnen wir uns alle nach mehr Beständigkeit in einer wilden Zeit von mehr oder weniger überraschend sinkenden Schiffen wie ArabellaStarwood und allgemeinen extrem wackligen Umsatzzahlen? Wenn alle nach einem Jetzt-oder-nie-Umweltschutz krähen, dann sollten wir doch wirklich konsequent werden. Wie wäre es z. B. mit der Einführung neuer Zimmerkategorien, die in Energieklassen eingeteilt werden? Die Zimmer der Klasse A verfügen dann über eine solarbetriebene Klimaanlage, strahlungsfreies W-LAN und eine CO2-freie Minibar. Wer als Gast weniger ausgeben will, nimmt das Zimmer der Klasse E mit dem guten alten Röhrenfernseher und einem analogenTelefonanschluss - und muss lediglich mit seinem schlechten Gewissen klarkommen. Im Restaurant könnte auf den Speisekarten eine Nachhaltigkeitsampel Einzug halten. Für die vegetarischen Sushi-Röllchen und den Insalata Mista gibt es dann eine wiesengrüne Leuchte, für die gefüllte Gans eine alarmrote Leuchte. Ihnen geht das dann doch zu weit? Mir auch! Denn natürlich hängt alles miteinander zusammen, und natürlich ist Umweltschutz fundamental und sollte in den Köpfen verankert sein. Aber wir werden wenig ändern, wenn wir uns für jede Energiesparlampe und jedes Gramm weniger Verpackung eine Ehrenurkunde verleihen. Vieles ist eine Selbstverständlichkeit und sollte in Fleisch und Blut übergehen. Dazu gehört übrigens auch, dass die Zulieferindustrie an neuen umweltfreundlichen Verfahrensweisen arbeitet. Wenn Sie sich also demnächst z. B. nach neuen Küchengeräten auf einer der Herbstmessen umsehen, dann reden Sie mit den Unternehmen darüber, wie energieeffizient tatsächlich die neue Herdanlage oder die Spülmaschine ist - und lassen Sie sich auch über eventuelle, natürliche Grenzen bei „nachhaltigen" Geräten aufklären. Nachhaltigkeit im forstwirtschaftlichen Sinn bedeutet übrigens, nicht mehr Holz zu schlagen als nachwächst. Marketingstrategen schadet es daher nicht, hin und wieder die Axt im Walde liegen zu lassen. Sylvie Konzack
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