Ein Projekt macht Schule

Datum 11.06.2012 | Rubrik: Kita- & Schulverpflegung | Ort: Saale Orla
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Saale-Orla. Das Projekt „Schulessen Saale-Orla - Regional, Gesund und Gut" ist eine Initiative der LEADER-Aktionsgruppe Saale-Orla e.V., die sich für die Entwicklung der Saale-Orla-Region einsetzt. Ihr Ziel ist es, dass mehr Kinder und Jugendliche gute, gesunde Mahlzeiten aus regionalen Produkten im Rahmen ihrer Schulessensversorgung erhalten. Hierzu führt sie zahlreiche Akteure zusammen und leitete eine Vielzahl verschiedenster Maßnahmen ein. Erste Erfolge sind bereits festzustellen. In zwölf Schulen der Region konnte die Situation durch bauliche Maßnahmen deutlich verbessert werden. Eine Schule wechselte vom europäischen zum regionalen Schulessensanbieter und rund 600 Schüler nahmen Ende 2011 an Projekttagen zum Thema Schulessen teil. Schulessen und gesunde Ernährung aus regionalen Produkten rücken zusehends ins Zentrum der öffentlichen Diskussion. Nach und nach steigt auch die Zahl der Schulessensteilnehmer. Für die Redaktion Schulverpflegung sprach Dr. Michael Polster mit dem Projektverantwortlichen Alexander Pilling.

   
   

  

Herr Pilling, was ist die Philosophie Ihrer Aktion?
Unsere Philosophie heißt: durch die Schaffung von regionalen Waren- und Wirtschaftskreisläufen „Region" in den Köpfen von Bürgern zu schaffen, damit unabhängiger von Weltmarktschwankungen zu werden und Heimatgefühl und „Gesundheit" im ganzheitlichen Sinne in der Region zu finden.

Welchen Anspruch verfolgen Sie und wie soll er umgesetzt werden?
Erhöhung des Anteils von regionalen Qualitätsprodukten in den Schulküchen (Gemeinschaftsverpflegung), der Wechsel hin zu regionalen Schulessensanbietern, Erhöhung der Teilnehmerzahl am Schulessen, Verbesserung der Qualität des Schulessens. Durch ein „Klima der Veränderung" soll es auf komplexe Fragestellungen komplexe, praktische Antworten geben. Wesentlich sind dabei das Zusammenwirken von Ministerien, dem Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung, Kreistag, der Schulverwaltung und der LEADER-Aktionsgruppe Saale-Orla e.V., und die professionelle Begleitung von ehrenamtlicher Arbeit.

Wie soll vor Ort in den Schulen das Thema umgesetzt werden, welche Rolle spielen die Schulträger und welche Aufgaben kommen den Essensanbietern zu?
Alle Akteursgruppen, wie Schüler, Lehrer, Eltern, Erzeuger, Schulküchen, müssen möglichst zeitgleich und spezifisch angesprochen werden. Der Schulträger muss an vorderster Stelle mit der Botschaft „das ist gewollt" tätig werden. Ihm obliegen die bauliche Instandsetzung und die Vertragsgestaltung mit den Schulküchen. Die Schulküchen (Essenanbieter) müssen verstärkt nach regionalen Bezugsquellen suchen und weiter an der Qualität des Schulessens arbeiten. Das heißt auch, sich an für Schulessen geeignete Zertifizierungen zu trauen.

Was sagen die Caterer zu Ihrer Aktion, haben Sie die mit im Boot?
Die regionalen Schulküchen (Caterer) sind erfreut. Ihre Bedingungen verbessern sich. Wir versuchen ein Netzwerk herzustellen, auch um auf Anfragen der Schulen besser reagieren zu können. Die europäischen Anbieter sind der Natur der Sache folgend eher nicht begeistert.

Welche Aufgaben übernehmen die Schulen im Sinne der Ernährungsbildung?
Es gibt einen Angebotskatalog zur Lehrerfortbildung und finanzielle Unterstützung für Schülerprojekttage zum Thema „regionales Schulessen". Im vergangen Jahr waren ca. 600 Schüler beteiligt. Ziel ist es, dass das tagesaktuelle Thema Schulessen jeden Tag ca. zehn Minuten Unterrichtszeit bekommt, egal in welchem Unterrichtsfach. Für alle 40 Schulen im Saale-Orla-Kreis wurde dieses Jahr der zweite Konzeptwettbewerb „Schulessen - Regional, Gesund und Gut" ausgerufen. Dabei ging es insbesondere um bauliche Verbesserungen für Speiseräume und Mensen. Zur Zeit sind in dieser Angelegenheit 50 Studenten der Bauhaus UNI Weimar im Saale-Orla-Kreis unterwegs.
 
Wie lösen Sie das Problem mit der Mehrwertsteuer 7 % bzw. 19 %?
7 %, 19 % oder 0 % für "pädagogische Leistungen". Wenn wir von Ganztagsschulen reden, reden wir zwangsläufig über Schulverpflegung. Künftig muss sich steuerpolitisch hier was ändern. Unser strategisches Projekt „Schulessen - Regional, gesund und gut" wird von einem Steuerberater begleitet. Wir suchen zunächst für den Einzelfall nach Lösungen.

Gibt es Unterstützung von der Politik?
Ja, es gibt finanzielle Unterstützung. Die LEADER-Aktionsgruppe Saale-Orla e.V. ist Projektträger. Das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt förderte die Planungsphase und unterstützt mit der Förderung des LEADER-Managements das Projekt. 2010 konnte mit dem ersten Preis beim Thüringer Wettbewerb für Innovative Projekte im ländlichen Raum Mittel ehemaliger Parteien und Massenorganisationen der DDR eingeworben werden. Hauptsponsor vor Ort ist die Kreissparkasse Saale-Orla.

Welche Zukunftsvorstellungen für Ihr Projekt haben Sie?
In nächster Zeit sollten im Saale-Orla-Kreis täglich ca. 1.000 Schulessen mehr durch regionale Schulküchen abgedeckt werden. Vielleicht ist es zu schaffen, dass von den derzeit 6.000 Schülern im Landkreis 60 % am Schulessen dauerhaft teilnehmen. Entsprechend würde sich der Einsatz regionaler Produkte erhöhen und sich die Qualität des Schulessens weiter verbessern.
Herr Pilling, recht herzlichen Dankt für das Gespräch und viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer ambitionierten Ziele. dmp

Fotos: Alexander Pilling, Sören Kube



Quelle: Leader-Aktionsgruppe Saale-Orla e.V.
Autor: lan

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